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Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben · 1868-01-01 · 1 (1868) · p. Seite 64

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Journal
Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
Volume
6 (1868)
Issue
1 (1868)
Date
1868-01-01
Page
Seite 64 (sequence 65)
Language
German
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64 Umschau. dem Ewigen, dem edlen Menschlichen aus, das in aller Form durchbricht, alle Form verklärt, aber er läßt das Rohe und Unvollendete an ihr fallen. Er ist ein Schöpfer und fühlt sich der schaffenden Kraft in der Geschichte verwandt, er erfreut sich am Wachsthume, an der fertigen Gestalt nur insofern als sie das pulsirende Leben voll in sich trägt, nicht indem sie dem Verwelken nun entgegengeht. Er gräbt nicht die erstarrten Steingebilde aus, um sie zu unfern Gefährten oder gar zu unfern Vorbildern zu machen; er klammert sich nicht an das Erstorbene, wenn es auch noch im Leben schattenhaft umherwandelt, um es mit dem warmen Herzblute zu durchströmen. Wohl mag es seinem schaffenden Drange mehr zusagen, das wahrhaft Schöne in seiner edlen harmonischen Erscheinung darzustellen und durch das greifbar gewordene Muster zu belehren als das Häßliche in seiner widerspruchsvollen Gestalt vorzuführen und den Kampf dagegen zu unternehmen. Wenn er das Häßliche malt, so dient es ihm entweder als Schalten, um das Licht des Schönen um so Heller leuchten zu lassen, als Widerstrebendes, tragisches Moment, an welchem das Edle erstarkt, sich bewährt, oder er waltet heiter darüber, führt es auch uns als komisches Element vor, von dem wir uns befreien, indem wir es als lächerlich, als leicht besiegbar erkennen. Niemals aber versenkt er sich in Gewesenes und Verwestes, in Rohes und Starres, um es als mustergültig zu erwecken oder zu erhalten. Unsere großen Propheten haben bei aller Innigkeit, mit der sie an Israels Geschichte und Gegenwart hingen, nicht die Kindesopfer und die Opfer- Hekatomben, nicht das Priester- und das Tempelgepränge, nicht die Enthaltsamkeit des Nasiräats und des Fastens und nicht die ganze äußerliche Frömmigkeits-Maschinerie verherrlicht, wie unsere Neuorthodoxen und Romantiker in ihnen so tiefbeseligende Veranstaltungen erblicken. Sie haben sie bekämpft oder "doch ignorirt und die ewige Wahrheit, die hohe sittliche Idee mit tiefer Empfindung verkündigt. Ein Anderes ist der Dichter, ein Anderes wiederum der Nachdichter. Einzelnen Personen wie ganzen Zeiten gebricht die energisch schaffende Kraft; indem sie das Schöne empfinden, seiner bedürfen um sich an ihm zu erquicken, vermögen sie es nicht im Werdenden und Entstehenden zu erblicken, werden sie nicht durch die Triebkraft, welche der Reife entgegendrängt, gehoben, sie müssen ein bereits Fertiges und Abgerundetes vor sich haben, um in die

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