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Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben · 1868-01-01 · 1 (1868) · p. Seite 63

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Journal
Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
Volume
6 (1868)
Issue
1 (1868)
Date
1868-01-01
Page
Seite 63 (sequence 64)
Language
German
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Umschau. 63 wo Negation im Rechte ist. Aber eben deshalb steht er zur verlassenen Fahne des Alten und harrt dabei aus, alle Freiheit des Geistes und allen Freimuth auf dieses Ausharren gewendet. So kennt und braucht er in schwungvoller Rede die Formen Neuzeitlicher Bildung, um dem Geist der alten Zeit getreu zu sein und gerecht zu werden." Es ist wohlthuend, aus diesen Worten den warmen Herzensathem aufzunehmen, der in ihnen nicht erstarrt ist, auch nachdem sie als geschrieben festgebannt worden; doch will es uns freilich bedünken, daß ״Räthsel" am wenigsten ihre richtige Lösung finden, wenn sie in den verklärenden Himmel der Freundschaft erhoben werden. Durch hohe Gaben, außerordentliche Leistungen wird kein Mensch uns räthselhaft; wir mögen seine Größe anstaunen, in Demuth bekennen, daß wir sie nicht erreichen können, aber wir begreifen sie, sie bestrahlt uns in aller Klarheit, wir blicken mit innigster Befriedigung zu ihm hinauf. Zum Räthsel wird uns ein Mensch durch seine widerspruchsvollen Eigenschaften und Handlungen, durch Aeußerungen und Thaten, die wir mit seinen sonstigen Anlagen und Grundsätzen nicht in Einklang bringen können, also durch den Mangel an voller Harmonie in seinem Wesen, das heißt nun offenbar durch Schwächen, die er nicht, wie wir von seiner sonstigen Tüchtigkeit zu erwarten uns berechtigt glauben, bewältigen konnte. Die Freundschaft möchte nun diese Schwächen selbst zu nothwendigen Correlaten der anerkannten Vorzüge erheben; die unbefangene Betrachtung wird im Gegentheile die Vorzüge einzuschränken gedrungen sein, weil sie sie von den Schwächen afficirt erblickt. Das ״Räthsel" in Sachs' Wesen soll damit gelöst werden, daß er ein ״Dichter" gewesen. Ich werde mich sicherlich nicht mit dem hochgebildeten Manne, der uns diese Lösung bietet, in Widerspruch setzen, wenn ich behaupte, daß die wahren Dichter aller Zeiten, von unfern großen Propheten an bis zur Gegenwart, Seher sind, Zukunftsgedanken verkündigen und vorbereiten. Sie ahnen, sie schauen, wie die Ideen, von denen sie voll durchdrungen sind, die in der Menschheit aber erst zu keimen beginnen, in die lebendige Wirklichkeit eintreten werden, und sie stellen sie in vollen Lebensgestalten dar, wie sie im Geiste sie schauen. Der Dichter ist ein Mann der Zukunft, selbst wenn er die Stoffe seiner Bearbeitung der Vergangenheit entnimmt; er stattet diese, auch wenn er sie in ihrer äußern abweichenden Erscheinung treu abzubilden sucht, mit

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