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Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben · 1868-01-01 · 1 (1868) · p. Seite 61

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Journal
Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
Volume
6 (1868)
Issue
1 (1868)
Date
1868-01-01
Page
Seite 61 (sequence 62)
Language
German
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Umschau. 61 die Anschauungsweise des Verblichenen theilt und derselbe sich in ebenso männlicher wie edler Weise darüber ausspricht. Nachdem er nämlich berichtet, wie er bei einem gemeinsamen Badeaufenthalte dem Verewigten und den nun neu erscheinenden Dichtungen besonders nahe getreten, fährt er fort: ״Damals auch wurde mir in seinem Leben klar, was Manchem ein Räthsel geblieben, der ihn nur in der Arbeit Last und unter der Pflichten Dräng gesehen. Ja, er war ein Räthsel für Viele; das ist unleugbar. Um so größer schien das Räthsel, da Niemand leugnen kann, daß er eine offene, freie Natur gewesen. Verborgen war er Niemand, aber Vielen unverständlich. ״Zwar um den Gelehrten, den poetischen Uebersetzer, um den Redner ist niemals Streit gewesen. Unbestritten und kaum bedingt war das Lob seiner Arbeit; daß er nur wenig von dem, was er gewollt und was er vermocht, auch wirklich geschaffen hat, werden seine Gegner sowohl wie seine Freunde beklagen. Unbegreiflich aber schien es, daß ein Mann, heimisch im Geiste des classischen Alterthums, auf der Höhe humanistischer Bildung der Zeit, vertraut mit der Entwickelung der Philosophie, — so abschließend sich verhalten konnte gegen alle Forderungen der Gegenwart in Bezug auf das Judenthum selbst und seine Lebensformen. Kleine Beweggründe, Amtsrücksichten, Pastoralklugheit lagen ihm fern; sie hatten reine Stätte in seinem edeln Gemüth. Auch waren ihm philosophische Gedanken nicht ein todtes Material; in seinem Denken war Leben, und sein Leben war voller Gedanken. ״Was ihn hob und was ihn hemmte, war aus gleicher Quelle: er war ein Dichter. Er sah alle Dinge des Lebens und die religiösen zumal nur von poetischem Schimmer umflossen. Nicht daß er wie ein poetischer Künstler die realen Dinge nur mit diesem Schimmer umgeben hätte; nein! er sah sie nicht anders, er war ein? poetische Natur. Der Erkenntniß der geistigen Schöpfungen seines Volkes an Gedanken und Lebensformen mit aller Liebe hingegeben, erblickte er Alles, was ein Erbe der schöpferischen Vergangenheit war, das Große und das Kleine, das Ferne und das Nahe, das Bedeutsame und das Unbedeutende in diesem poetischen Glanze — oder Nebel. Sind doch diese Dichtungen selbst nur ein sprechendes Beispiel, wie er aus dem, was formlos und selbst mißgestaltet (wie es der rabbinische Dialekt ist), dennoch den edlen Gehalt in gewinnende Form zu fassen nicht ermüdete.

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