Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 6 (1868)
- Issue
- 1 (1868)
- Date
- 1868-01-01
- Page
- Seite 52 (sequence 53)
- Language
- German
- Belongs to
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52 Recensionen. und opferwilligen Anhang sich zu verschaffen und festzuhalten? Mit jenen niedrigen Kategorieen des ״gemeinen Betrugs" und des ״kabbalistischen Dusels", welche Hr. vr. Gr. wiederholt anwendet, wird Geschichte weder gemacht noch erklärt. Der Betrug gelingt nur, wenn er in den Dienst einer die Gemüther beherrschenden Idee zu treten weiß, und dann ist selbst bei dem, welcher den Betrug verübt, der Sinn bereits so umnebelt, daß er weniger absichtliche Täuschung auszuführen, als die notwendigen oder zweckmäßigen Maßnahmen zur Herstellung und Befestigung eines verdienstlichen Werkes zu treffen glaubt. Als die falschen Dekretalen geschmiedet wurden, war man von der vollen Berechtigung der kirchlichen und päpstlichen Machtvollkommenheit bereits so überzeugt, daß diese untergeschobene Urkunde nur den tatsächlichen Ausdruck bildete für die allgemein verbreitete Annahme, und der welcher sie schmiedete, war weniger Betrüger als Organ der ihn wie Alle beherrschenden Auffassung. Wenn ferner durch einen Einzelnen außergewöhnliche Ereignisse in die Erscheinung treten, so muß, wenn er nicht wirklich ein großer Mensch gewesen, der Boden für dieselben sehr günstig vorbereitet gewesen sein, aber außerdem muß diesem Menschen, um den ganz unmotivirten Einfluß zu erlangen und zu behaupten, jedenfalls ein Glauben an sich selbst, an seine Mission innewohnen, der ihm selbst die unerschütterliche Ausdauer verleiht unter allen, auch den mißlichsten Wechselfällen und daher auch die imponirende Macht über seine Anhänger. Der gemeine Betrug, die künstliche List reicht zu solchen Erfolgen nicht aus. Für Mohammed wären niemals die Scharen in den Tod gegangen, an seinen Namen hätte sich nicht die Stiftung eines großen Reiches, einer die Jahrhunderte überwindenden Religion geknüpft, wenn er weiter Nichts als ein hysterischer, fallsüchtiger und sinnlicher Betrüger gewesen wäre. Sein eigner fester Glaube an sich war nothwendig, um auch den Glauben bei Andern zu erwecken. So wird denn auch Frank's Erscheinung nicht durch seine niedrige Genuß- und Herrschsucht, nicht durch die Schlauheit, welche er zu deren Befriedigung angewendet, nicht durch die Sittenlosigkeit, welche er seinen Anhängern eröffnet haben soll, nicht durch die verführerische Schönheit seiner Tochter erklärt. Unbestreitbar ist allerdings, daß Frank krumme Wege gegangen, ferner daß er die verwirrende phantastische Mystik der Kabbalah zu seinen Zwecken gebrauchte; aber auch er selbst war von ihr