Mannheim
Compact Memory

Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben · 1868-01-01 · 1 (1868) · p. Seite 44

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
Volume
6 (1868)
Issue
1 (1868)
Date
1868-01-01
Page
Seite 44 (sequence 45)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2420973-2420992-2420993--1656-2422659
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

44 V. Apokryphische Apokalypsen wie es ging, und bei den Massen vermöge ihrer vornehmen Abgeschlossenheit kein Ansehen genossen, sondern nur bei den bvtioqoi׳ Ant. 13, 10, 6. So bringt die einfache Betrachtung der Partei- Verhältnisse von selbst die Vermuthung mit sich, daß wir es mit einem Schriftstück ess Lisch enUrsprungszuthun haben." Huoä erat äenwnLtranäuni. Und über diese Essäer, die, wie die gegebene Schilderung sie bezeichnet, Christen waren nur ohne Christus, die in derselben Tonart gegen die Pharisäer Verdammniß schleuderten, wie es nicht schriller die Evangelien thun, sollen dennoch die urchristlichen Schriften das tiefste Stillschweigen beobachten, es müßte nicht vielmehr der regste Geistesverkehr zwischen ihnen und Jesus wie seinen Jüngern Statt gefunden haben, und die Berichterstatter sollten nicht liebend ihrer gedenken oder, wenn sie trotz aller geistigen Verwandtschaft dennoch Jesus nicht zufielen, nicht auf sie anlockend oder bekämpfend aber- und abermals eindringen? Gegen diese Essäer, die sie mit solch souveräner Verachtung behandelten, sollten die Pharisäer kein Wort des Tadels gefunden haben, sollten gegen sie nicht mit harten Gegenvorwürfen aufgetreten sein? Das sind Wahngebilde, mit denen man das ganze feste Gepräge der Geschichte in willkürlich geschaffene, daher aber auch zerfließende Schatten auflöst. Solche Essäer existirten nicht. Wenn diese brütenden Anachoreten eine Besonderheit hatten, so bestand sie darin, daß sie Waschungen und Reinigungen noch sorgsamer Vornahmen, und sie schmähten gewiß die Pharisäer nicht darum, weil ״sie auf besondere Reinigkeit und Heiligkeit halten, sich auch vor profanen Berührungen scheuen". Allein diese ganze Neubildung einer vorchristlichen und dennoch nahezu christlichen essäischen Partei hat ihre Veranlassung in der Befangenheit, mit der man die damals wirklich vorhandenen, geschichtlich feststehenden Parteien beurtheilt. Die Pharisäer werden von unfern Kritikern noch immer in der gallsüchtigen Weise vorgeführt, wie sie der leidenschaftliche Parteieifer des Evangelisten in heftiger Strafrede zeichnet, und nach solchem Maßstabe verdreht man auch die Worte des Josephus. Dieser soll Alterth. 17, 2, 4 ״ihre listigen Anschläge erwähnen". Schlagen wir die Stelle nach, so finden wir ganz Anderes. Es ist dort die Rede von dem Unfrieden in dem Hause des Herodes, von der Spionage, welche dessen einzelne Glieder gegen einander trieben, vorzugsweise die Schwester, und dem fügt Josephus bei: ״Denn es war eine Partei unter

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.