Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 6 (1868)
- Issue
- 1 (1868)
- Date
- 1868-01-01
- Page
- Seite 42 (sequence 43)
- Language
- German
- Belongs to
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42 V. Apokryphische Apokalypsen Spielraum lassen; man sucht vielmehr nach Apokalypsen, nach geretteten Ueberresten dunkler Verfasser mit trüber Phantasie, deren Rede orakelhaft und vieldeutig ist, die die Zeiten unter einander Würfeln, sich vermummend, indem sie ihre Erzählungen früheren Autoritäten, einem Esra, Henoch, Moses als Weissagungen in den Mund legen, die Geschichte mehr verwirren als aufklären, ihre Andeutungen absichtlich in Räthsel hüllen und, selbst unklar, das Dunkel noch dichter machen. Man würde kaum begreifen, wie gerade solche Producte mit Vorliebe aufgesucht und behandelt werden können, wenn man nicht in dem Wohlgefallen, welches dem Scharfsinn die Lösung von Räthseln bietet, die Erklärung fände. Die Beziehung der Andeutungen und Zahlenspielereien, welche diese Schriften enthalten, erlangt nur dann eine gewisse Wahrscheinlichkeit, wenn wir anderswoher gesicherte Angaben mitbringen; dennoch glaubt man aus diesen dunkeln Traumreden die weitgehendsten Folgerungen für die Charakteristik einer Zeit, über deren genauere Bestimmung eine jede Sicherheit abgeht, ziehen zu können. So ist man in neuester Zeit wieder mit wahrem Heißhunger über einen geretteten Brocken einer verschollenen Assumptio Mosis hergefallen, es sucht; ihn Einer dem Andern als sein werthvolles Eigenthum abzujagen, eine Beziehung und kritische Conjecturensammlung stellt sich der andern in voller Waffenrüstung entgegen, und das Resultat bleibt — verlorene Mühe. In gleicher Weise geht es mit den Essäern. Diese Abzweigung der Pharisäer, die nur im Berichte des Josephus zur Geltung gekommen, aber sonst von der Geschichte ignorirt wird, weil sie auf ihren Gang ohne Einfluß geblieben, — sie werden, als ein in der Dämmerung schwebendes Gebilde, überall herangezogen, um andere Dunkelheiten durch sie zu erklären. Weil man die Pharisäer in ihrer scharfen Beleuchtung nicht erkennen will oder kann, aus ihrer Richtung daher die Entwickelung zum Christenthume hin, zunächst zu dessen erster Phase, dem Juden-Christenthume nicht zu erklären vermag, schiebt ein Jeder nach Belieben die Essäer ein, legt sie sich zurecht, wie es ihm gutdünkt oder wie er sie gerade zu seiner Combination gebrauchen kann. Natürlich vertragen sich nun diese beiden dunkeln Gestalten aufs Beste zusammen; man macht Essäer zu Verfassern von Apokalypsen, und glaubt so der einen Farblosigkeit durch die andere einen festeren Grundton zu geben. Dies haben neuerdings wieder