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Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben · 1868-01-01 · 1 (1868) · p. Seite 41

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Journal
Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
Volume
6 (1868)
Issue
1 (1868)
Date
1868-01-01
Page
Seite 41 (sequence 42)
Language
German
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V. Apokryphische Apokalypsen und Efsäer. 41 v. Apokryphische Apokalypsen und Cssäer. Die Mystik geht dem Rationalismus voran. Die Vernunft, die sich von dem herkömmlichen Dogmatismus unbefriedigt fühlt, aber noch nicht genug erstarkt ist, um denselben ganz zu brechen, versucht es, ihn aus ihrer Sehnsucht zu erweitern und zu verklären. Erst durch diese Uebung befreit sie sich von der Macht, die er über sie gewonnen, und sie erlöst sich dann gänzlich von ihm. In ähnlicher Weise, ergeht es der Kritik mit den hergebrachten historischen Annahmen. Fängt sie an, ihre Bedenken gegen dieselben zu fassen, so geht sie doch lange in deren Fesseln, sie sucht dieselben phantastisch auszuschmücken, sie aus trüben Vorrathskammern zu bereichern, bis sie dann, vollständig ernüchtert, die entstellenden und verhüllenden Darstellungen, in welchen die Geschichte auf uns gekommen ist, abstreifen lernt, die Vorgänge nach ihrer Wirklichkeit zu enträthseln versteht und zugleich die Veranlassungen erkennt, durch welche sie das seltsame Gewand angenommen haben, in dem man sie uns vorgeführt hat. Mich will bedünken, daß wir noch sehr stark in dem historisch-kritischen Uebergangsstadium uns befinden, auf welchem man mit krankhafter Gier nach geschichtlichen Nebelbildern umhersucht, sich in sie mit heißem Eifer vertieft und sie nach Lust ausmalt. Man wird sicher auch von dieser phantastischen Willkür zurückkommen und sich der besonnenen Kritik zuwenden. Zu solcher kritischen Gespensterseherei, der Pflege von Dämmerungsgestalten gehört in der Geschichte der zweiten Tempelperiode die Vorliebe für dunkle apokryphische Schriften wie für den Orden der Essäer, die dann noch gar in traulichen Zusammenhang gebracht werden. Es giebt in der apokryphischen Literatur Werke, die, wenn sie auch nicht zur Geltung gelangt sind, doch klaren Inhalts sind, hohe Beachtung verdienen und uns den Geistesboden, auf dem sie erstanden, auf lehrreiche Weise erhellen. Die Geschichtsbücher der Makkabäer, das Spruchbuch des Sirach, das philosophirende Buch der Weisheit sind schätzbare Quellen, die, umsichtig benützt, uns vortrefflich über Geist und Bestrebungen jener Zeit orientiren. An ihnen aber genügt man sich nicht, ja man schätzt sie weniger, weil sie zu deutlich sprechen, den eigenen Combinationen zu geringen

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