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Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben · 1868-01-01 · 1 (1868) · p. Seite 36

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Journal
Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
Volume
6 (1868)
Issue
1 (1868)
Date
1868-01-01
Page
Seite 36 (sequence 37)
Language
German
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36 III. Bileam und Jesus. Weise, Bibelverse, die von B. handeln, seine eignen Aussagen als Belegstellen beigebracht; allein der Gedanke geht, als in der Herrschenden Anschauung verbreitet, den Hüllen der Deutung voran, und wir müssen ihn in seiner Ablösung von diesen zu würdigen wissen. Die Bedeutung B.'s kann offenbar hier nur als die eines Religionsstifters, als die des an die Heidenwelt gesandten Lehrers so hochgestellt werden; B. war selbst aus den Heiden, sein Abbild, Jesus, war zwar aus den Juden, aber seine Mission ging an die Heiden, seine Aufgabe war eine von vornherein umschriebene, er lehrte nicht Neues, das ihm wie der Welt vorhin unbekannt gewesen, er wußte, was von dem unter den Juden geltenden Gottesworte, wann und wie weit es den noch versunkenen Heiden mitgetheilt werden sollte, und damit war seine untergeordnete begränzte Aufgabe erfüllt. Das ist der Gedanke, der vielleicht nicht in voller Klarheit den Geistern gegenwärtig war, der aber unter der Hülle Bileam's verständlich genug hindurchleuchtet, ein Gedanke, der auf die Anschauungsweise des Judenthums jener alten Zeit ein überraschend Helles Schlaglicht wirft. So schwebt das Bild Bileam's und das von Jesus den thalmudischen Quellen in einander, ohne daß sie darum in einander aufgehn; sie berühren einander, tragen dasselbe Gepräge an sich und bleiben doch von einander geschieden, und es wird in Jesus, dem B. gegenüber, doch niemals der geborene Jude verkannt, der ihm erst die Berechtigung giebt, mit in dem jüdischen Kreise die Beachtung zu verdienen. Diese Mischung von Verbindung und Sonderung, von Gleichheit und doch wieder Verschiedenheit tritt uns auf eine besonders interessante Weise in einer Legende entgegen, welche babyl. Gittin 57 a erzählt wird. Onkelos (Nikolaus), Sohn des Kleonikos, Schwestersohn des Titus, wird berichtet, hatte die Absicht Proselyte des Judenthums zu werden. Er befragt darüber im Traum den Titus; der erkennt zwar den Vorzug Israels an, meint jedoch, er werde sich ihm nicht anschließen können, weil die ihm auferlegten Vorschriften zu schwierig zu erfüllen seien, er solle es vielmehr anfeinden, so werde er zu einem angesehenen Haupte werden. Dieselbe Anfrage, an Bileam gerichtet, erlangt zur Antwort gleichfalls die Anerkennung Israels, aber dieser wendet zugleich die gegen Moab 5 Mos. 23, 7 gesprochenen Worte auf Israel an: Suche nie ihren Frieden und ihr Gutes. Jesus H 1) Auch diese Stelle bezeichnet in manchen Ausgaben eine Censurlücke.

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