Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 6 (1868)
- Issue
- 1 (1868)
- Date
- 1868-01-01
- Page
- Seite 35 (sequence 36)
- Language
- German
- Belongs to
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III. Bileam und Jesus. 35 der dann als sein typisch durchsichtiges Vorbild statt seiner genannt wird, entspricht ganz dem Verfahren der Judenchristen, welche den Urheber des Heidenchristenthums mit demselben Namen belegen. Weit eher dürfte es uns in Erstaunen setzen, wenn wir auf Ausspräche treffen, in welchen Jesus unter der Hülle Bileam's eine hohe Stellung zu einem bestimmten Zwecke zuerkannt wird, und dennoch fehlt es auch an solchen nicht. So heißt es zu den Worten 5 Mos. 34, 10: ״Und es erstand nicht wieder ein Prophet unter Israel wie Moses^ in Sifre Ende*): ״aber unter den Völkern erstand er (Qp אבל בארבלות). Wer war der? Bileam, Sohn Beor's. Doch ist ein Unterschied zwischen dem Prophetenthum des Moses und dem des Bileam. Jener wußte nicht was 1 2) Gott mit ihm sprechen werde, dieser Wohl, wie es heißt: er hört die Worte Gottes und weiß das Wissen des Höchsten (4 Mos. 24, 16); Moses wußte nicht, wann Gott mit ihm reden werde, bis es geschah, Bileam kannte die Zeit, wie es heißt: er weiß das Wissen des Höchsten, dem M. ward das Wort Gottes indem er stand, B. mußte dabei niederfallen, wie es heißt: er sieht das Gesicht des Allmächtigen, fällt nieder und geöffnet an Augen (das. u. V. 4). Bileam ist dem Koche eines Königs zu vergleichen, der genau die Ausgaben kennt, welche für den Tisch des Königs verwendet werden (während Moses — wie Tobias richtig erweitert — dem hohen den König umgebenden Fürsten gleicht, der sich um solche untergeordnete Dinge nicht kümmert)". In diesem Vergleiche liegt eine hohe Anerkennung Bileam's, der jedoch nur für den außerjüdischen Kreis und in nicht so umfassender Weise wie Moses, sondern nur für ganz bestimmte Zwecke zu wirken berufen war, daher auch nicht in aufrechter Stellung wie M., sondern niederstürzend der Offenbarung Gottes gewürdigt worden, nicht in dauernder Erhabenheit dasteht, sondern in untergeordneter Sphäre leistet. Für diese Aussprüche werden allerdings, nach dem ganzen Verfahren dieser midraschischen Deutungs- 1) Ausgenommen in Jalkut und in Lekach tob (kleine Peßiktha) des Tobia ben Elieser z. St., wie in Bammidbar rabba 6. 14 gegen Ende, auch angeführt von Nachmanides zu 4 Mos. 24, 4. 2) So, בלד, nicht בלי, lesen wir richtig die Anführung bei Nachm, a. a. O.; בלי, daß Moses nicht gewußt, wer mit ihm spreche oder sprechen werde, wäre sinnlos. Auch Bam. r>, der zwar Anfangs בלי liest, schließt in seiner weitern Ausführung mit den Worten: כך היד בלעם יודע 2לד דקבד עתיד לדבר עמו.