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Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben · 1868-01-01 · 1 (1868) · p. Seite 32

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Journal
Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
Volume
6 (1868)
Issue
1 (1868)
Date
1868-01-01
Page
Seite 32 (sequence 33)
Language
German
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32 IIE. Bileam und Jesus. bestimmter sagt der Apokalytiker, daß sie, der Lehre B.'s zufolge, ״Götzenopfer essen und Hurerei treiben" (cpayetv elScolo&vra 7cal noQvevGcu). Man hat sicher mit Recht in diesen Anklagen den Kamps des damals noch vorherrschenden Iudenchristenthums, der Richtung der alten Apostel, gegen das emporstrebende Heidenchristenthum, den Paulinismus, erkannt; die Lossagung von den jüdischen Speisegesetzen wird als Betheiligung an Götzenopfern, die Gestattung der Ehe mit Nichtjüdinnen, die die ganze Reinheit der Nationalität aufhebt, als Buhlerei gebrandmarkt. In diesen beiden Vergehungen wird aber gerade auch der große Abfall gefunden, welchen das Volk zur Wüstenzeit unter den Moabiten in Schittim sich zu seinem Verderben zu Schulden kommen lassen (4 Mos. 25, 1. 2). Als Rathgeber, Israel durch solche Verführung zu Falle zu bringen, wird aber Bileam betrachtet, der auf diesem Umwege den Zweck verfolgte, welcher ihm durch die Verhinderung des beabsichtigten Fluches vereitelt wurde; dies wird bereits 4 Mos. 31, 16 angedeutet, in der spätern Volksmeinung aber als sichere geschichtliche Thatsache angenommen (Josephus, Alterth. IV, 6, 6 und alle thalmudischen Berichte). Es war daher natürlich, daß das ähnliche Verfahren von Seiten der Heidenchristen mit dem Schandmale eines Bileamjüngers bezeichnet wurde und im Munde der Judenchristen Paulus selbst als ein zweiter Bileam galt. So hat der Zwiespalt in den ersten Christengemeinden dem ״Heidenapostel" den Namen ״Bileam" zugezogen. Für die Juden aber, welche dem Glauben an das eingetretene Messiasreich nicht anhingen, war der Unterschied zwischen Juden- und Heidenchristen von untergeordneter Bedeutung; der Tadel der unerlaubten Speisen und Ehen galt dem ganzen Christenthum, und in ihren Augen war nicht der Begründer der neuen Richtung, Paulus, sondern der ursprüngliche Stifter, Jesus selbst, — Bileam. Nur wenn man dieses Jneinanderspielen der beiden Persönlichkeiten beachtet, ohne gerade eine Jdentificirung anzunehmen, erlangen erst mehrere thalmudische Aussprüche ihre volle Beleuchtung. In Mischnah Sanhedrin 10 (11), 1 wird der allgemeine Grundsatz ausgesprochen, daß jeder Jsraelite ״Antheil an der zukünftigen Welt" habe, dann aber werden Ausnahmen gemacht mit Solchen, die gewisse ketzerische Meinungen behaupten oder sich gewisser Verbrechen schuldig machen. In Mischnah 2 wird aber auch von sieben einzelnen Personen ausgesagt, daß sie ״keinen

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