Mannheim
Compact Memory

Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben · 1868-01-01 · 1 (1868) · p. Seite 16

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
Volume
6 (1868)
Issue
1 (1868)
Date
1868-01-01
Page
Seite 16 (sequence 17)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
99% known words query
IRI
…/2420973-2420992-2420993--1628-2422631
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

16 I. Unser Gottesdienst. Erwartung, daß sie uns den vollen Ausdruck einer längst verschöllenen Vergangenheit zurückbringe, sie soll uns alle lebensfähigen Keime der Erkenntniß und der Sittlichkeit aus Vergangenheit und Gegenwart zur vollen Wahrheit, zum siegreichen Rechte entfalten und in's Leben einführen. Das Opfer gilt uns als ein ungeeigneter Ausdruck unseres Verhältnisses zu Gott, dem wir, nach der richtigen Erkenntniß unserer Propheten, nicht mit der sinnlichen Gabe, sondern mit dem gereinigten Geiste und Herzen nahen sollen. Die Bitte um Wiederherstellung des Opferdienstes ist in unserm Munde eine Lüge; aber auch die Erinnerung an seinen ehemaligen Bestand bietet für uns kein religiöses Moment. Dennoch ist die herkömmliche Gebetordnung von zahlreichen Stellen durchzogen, welche diese Bitte wiederholen, besonders der Theil des Gebetes, welcher zur Verherrlichung der Feier- und Festtage dient. Dem Zuschüsse von Opfern, welcher diese Tage im Tempel auszeichnete, entspricht das Zusatzgebet, das Mußaf, welches deren Gottesdienst nunmehr charakterisirt, und in ihm gerade ist das Verlangen, wieder den Opferdienst hergestellt zu sehen, mit besonderem Nachdrucke betont. Das Verlangen ist jedoch bei uns nicht vorhanden, darf nicht vorhanden sein, es wäre traurig, wenn wir den Rückfall von der Erhebung im Geiste und im Worte zum rohen Darbringen von Thieren machten. Das fühlte man, und man nahm überall wo nicht das starre Kleben an dem Bestehenden alles Denken und Empfinden verdrängte, mit diesen Stellen Aenderungen vor. Die Bitte, daß der Tempel wieder errichtet werde und das Gelöbniß, dann in ihm auch wieder wie ehedem den Opferdienst in gleicher Weise zu vollziehen, wurde in neuerer Zeit ersetzt durch die Bitte, Gott möge unsere Gebete wohlwollend aufnehmen, welche nunmehr die Stelle der ehemals von unfern Vorfahren dargebrachten pflichtmäßigen Opfer vertreten, so wie diese Ihm wohlgefällig gewesen, und dann werden in Ausführlichkeit die Opfer des Tages aufgezählt. Ist das wirklich der volle Ausdruck des gesunden Gedankens? Nein! Die Lüge ist verhüllt, nicht beseitigt, die Bereitwilligkeit, den gewonnenen höheren Stand- Punkt sobald wie möglich wieder aufzugeben, um den früheren niedrigeren wieder einzunehmen, wird vertuscht und dennoch nicht ausgemerzt, da ja beide einander gleichgestellt werden, der Opferdienst in aller Breite der Erinnerung vorgeführt und somit in

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.