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Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben · 1868-01-01 · 1 (1868) · p. Seite 15

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Journal
Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
Volume
6 (1868)
Issue
1 (1868)
Date
1868-01-01
Page
Seite 15 (sequence 16)
Language
German
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L Unser Gottesdienst. 15 einzigen Tempel zu beschränken; man kämpfte gegen den zu hohen Werth, welcher dem Opfer beigelegt wurde, gegen die Anmaßlichkeit des Priesterthums, aber man legte nicht die Axt an die Wurzel. Während der zweiten Tempelperiode ging der Eifer der Pharisäer vorzugsweise auf Verdrängung des Priesteransehens, auf die Herstellung einer durch Nichtpriester zu vollziehenden Gottesverehrung; Synagogen, Bethäuser erstanden, welche mit dem Tempel, Andachten, welche mit den Opfern rivalisirten. Tempel, Opkerwesen, Priesterthum waren innerlich untergraben und bestanden dennoch fort. Ein innerer Sturm hätte sie Wohl umgestürzt, aber ein von Außen kommender mußte sie grade befestigen, wenn er sie auch erschütterte. Und der Sturm kam von Außen. Die Zerstörung des Tempels, das dadurch herbeigesührte Aufhören des Opfer- und alles Priesterdienstes war eine Folge der Auflösung des Staates, der Zertrümmerung der volksthümlichen Selbstständigkeit, und so knüpfte sich gerade daran das ganze Wehe des verletzten Nationalgefühls, so stieg die Erinnerung daran zu immer herrlicherer Verklärung, ward die Sehnsucht danach der Ausdruck aller nationalen Hoffnung. Was äußerlich zerstört war, erbaute sich nun erst recht im Innern. Der Schmerz über die Trümmer des Tempels, die Klage über den verwüsteten Altar, die Bitte ihn wieder herzustellen mit seinem ganzen Opfergepränge trat in den Vordergrund; alle früheren besseren Ueberzeugungen, die sich schneidend und immer siegreicher gegen Priester- und Opferdienst geltend gemacht hatten, mußten zurücktreten vor dem vaterländischen Wehe, dem er unterlegen war. So lange dieses Wehe die ganze religiöse Denkweise überwucherte, verdrängte, so lange mußte auch die Bitte um die Wiederherstellung ungeschwächt fortdauern, alle Reflexion abweisen, ob denn wirklich das thierische Opfer der adäquate Ausdruck unseres Verhältnisses zu Gott sei. Mochten immerhin die Denker des Mittelalters dem Opfer seine Berechtigung entziehen, es als eine blos geduldete Institution erklären, die dem von opfernden Völkern umgebenen Israel blos nachgegeben worden: für die Praxis hatte Dies keine Folge. Die Bitte ertönte, weil die Gegenwart den Druck häufte und nur die Hoffnung, daß eine Zukunft erstehn werde, welche die Vergangenheit in getreuer Abspiegelung wieder Herstellen werde, den Muth aufrecht erhalten konnte. Unsere Gegenwart ist eine andere geworden, unsere Hoffnung eine andere. Wir blicken nicht in die Zukunft mit der sehnsüchtigen

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