Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 6 (1868)
- Issue
- 1 (1868)
- Date
- 1868-01-01
- Page
- Seite 14 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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14 I. Unser Gottesdienst. solches Gebet zu erhalten wäre mehr als Gedankenlosigkeit, es wäre Entweihung des Gottesdienstes, Entwürdigung des Judenthums. Hier giebt es keine Vermittelung! entweder Bekenntniß zum Molochdienste oder zur wahren Gottesverehrung! Die Stellen müssen' ausfallen. Sie dürfen nicht als Ausdruck des Gesammtbewußtseins gelten wollen, dürfen nicht dem Betenden als Nahrung dargereicht werden. Wem sie Bedürfniß sind, der mag sie sich für seine Person erhalten, wir hadern nicht mit dem vielgestaltigen menschlichen Herzen, das die seltsamsten Widersprüche in sich vereint zu bergen vermag; jedoch die Gesammtheit, das Gebetbuch, das die herrschende Herzensbildung zur Darstellung bringt, muß sie abweisen. Bei solchen Grundanschauungen darf man keinen Compromiß versuchen. 2. Das thierische Opfer. Während die Erinnerung an den Versuch des Kindesopfers bis jetzt unangetastet geblieben, hat man die Bitte umWieder- Herstellung der thierischen Opfer vielfach beanstandet. Sicher mit Recht, allein es muß auch die meist an ihre Stelle gesetzte Erinnerung an die ehemals geltenden Opfer gleichfalls getilgt werden. Auch gegen das thierische Opfer erhebt sich von vorn herein der Kampf entschieden in den edeln Geistern, in welchen die höhere Idee des Judenthums siegreich durchgedrungen war; Propheten und Psalmisten sprachen mit tiefster sittlicher Ueberzeugung von der Werthlosigkeit der Opfer, und wie sie Gotte nicht Wohlgefällig seien. Sie sprachen es bald mit erhabenem Aufschwünge, bald mit tiefer Entrüstung aus, daß nicht die Darbringung irgend eines Besitzes an Gott, der seiner nicht bedürfe, Frömmigkeit sei, sondern lediglich Läuterung des Herzens, Reinheit der Gesinnung und des Wandels. Dennoch konnte das thierische Opfer nicht beseitigt werden, war der Kampf gegen dasselbe mehr auf Belehrung und Ermahnung beschränkt, ging nicht energisch auf seine thatsächliche Tilgung ein. Gegen die Anschauung eines grausamen Gottes, dessen Zorn durch Menschenopfer gesühnt werde, raffte sich alle Kraft zusammen; die verhältnißmäßig unschuldigere Betrachtung, daß Gotte das thierische Opfer einen angenehmen Duft bereite, ward zwar als niedrige Gedankenstufe und sittlich unwürdig nicht selten gegeißelt, und dennoch wurde sie in ihren praktischen Aeußerungen geduldet. Man begnügte sich damit, die götzendienerische Zuthat zu beseitigen, das Opfer auf den einzigen Gott, auf den