Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 6 (1868)
- Issue
- 1 (1868)
- Date
- 1868-01-01
- Page
- Seite 13 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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I. Unser Gottesdienst. 13 es wagen dürfen uns einen Gott vorzuführen, der ein Kindesopfer, wenn auch nur versuchsweise, anordnet, den als Muster der Frömmigkeit darzustellen, der sich zu einem solchen bereit erklärt? Unmöglich! Unser Gott ist kein Götze, unsere Frömmigkeit nicht fühllose Barbarei. Und wir sollten dennoch im Gebete diesen Versuch Abrahams Preisen, das Verdienst, das er sich damit erworben, für uns als Gnadenschatz in Anspruch nehmen? Solche Stellen kommen aber in unfern Gebeten vor, nicht zwar in den täglichen, nicht in denen für Sabbath und Festtage, wo doch überall das Andenken der Väter gefeiert wird, Wohl aber gerade in denen für Neujahr und Versöhnungstag. In dem Mußafgebete des ersteren heißt es: ״Es möge vor Dir (o Gott,) sichtbar sein, wie unser Vater Abraham seinen Sohn Isaak auf dem Altäre gebunden und sein Erbarmen bewältigt hat, um Deinen Willen mit vollem Herzen zu thun, also möge auch Dein Erbarmen Deinen Zorn über uns bewältigen ... So gedenke heute das Binden Jsaak's seinen Nachkommen in Barmherzigkeit!^ Nun wahrlich, wenn diese und ähnliche Aeußerungen nicht Verleugnung des Judenthums, nicht Entwürdigung Gottes und des Erzvaters, nicht götzendienerisches Bekenntniß sind, dann giebt es überhaupt keinen Götzendienst, dann kann jede falsche Frömmigkeit mit dem Glorienschein der Hingebung verherrlicht werden. Man fragt vielleicht, wie es möglich gewesen, daß ein solcher Widerspruch gegen die eifrigst verfochtene Wahrheit doch in die Gebetsammlung eingedrungen? Ich glaube nicht, daß es ein Ueberrest des alten Wahns ist; denn er ist, wie gesagt, blos eine traurige Ausnahme gerade an diesen Tagen, und er würde, wenn noch irgendwie herrschend, einen breiteren Ausdruck in allen Gebeten gefunden haben. Eher dürfte er die beklagenswerthe Einwirkung der außerhalb herrschenden Religion gewesen sein. Unbewußt schlich sich der Gedanke, daß durch ein Sohnesopfer der Zorn des himmlischen Vaters besänftigt worden,, in anderer Form ein; es ist wie eine dunkle Eifersucht, dem andern Glauben den Vorzug nicht zu lassen, daß er das Sühneopfer des Sohnes für sich geltend mache. Doch sei dem wie ihm wolle, mochte das Mittelalter in seinem Gedankenschlummer aus welchem Grunde auch sich eine solche Verkennung des Grundprincips des Judenthums gefallen lassen, wir haben nun erkannt, daß in solchem Opferungsversuche kein Verdienst liegt, wir dürfen eine solche Handlung nicht als Verdienst in Anspruch nehmen. Ein