Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 6 (1868)
- Issue
- 1 (1868)
- Date
- 1868-01-01
- Page
- Seite 10 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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10 I. Unser Gottesdienst. weniger merkliches Vorgehn in diesem Sinne empfiehlt sich als zweckentsprechend. III. Der Inhalt. In diesen und ähnlichen Mißständen, welche doch immer mehr das Aeußere des Gottesdienstes betreffen, wenn sie auch tief mit seiner innern Bedeutung Zusammenhängen, läßt sich eine Vermittelung anstreben, lassen sich anbahnende Uebergänge vornehmen, und so sind solche anzurathen, um eine Versöhnung zwischen Vergangenheit und Zukunft herbeizuführen. Anders aber ist es bei dem Inhalte der Gebete. Wenn in ihm Gedanken ausgesprochen werden, die wir nicht theilen, Hoffnungen und Wünsche, die uns nicht erfüllen, ja wenn Bitte und Sehnsucht sich an Empfindungen anlehnen, welche wir als überwunden betrachten müssen, welche nicht blos wir abweisen, welche auch das Judenthum zu allen Zeiten bekämpft, sie höchstens nur durch den geschichtlichen Drang geduldet hat — sobald uns dieser Widerspruch zum Bewußtsein gekommen, dann ist kein Gehenlassen beim Herkommen, auch keine vermittelnde Abschwächung mehr gestattet, hier wird die ernste Entscheidung, die volle Geltendmachung der gewonnenen Ueberzeugung verlangt. Der Jrrthum darf nicht im Gesammtausspruche geduldet, das Bekenntniß, welches der Gottesdienst enthält, nicht durch falsche Darstellung verdunkelt, entwürdigt werden. Und solche Punkte giebt es, über die die Entscheidung baldigst getroffen werden muß; eine jede Zögerung ist Religionsverläugnung, ist Entstellung, Verhöhnung unseres religiösen Bewußtseins. 1. Das versuchte Sohnesopfer. Die erste Großthat des Judenthums war der Kampf gegen das rings umher herrschende Menschenopfer. Das eigne Kind darzubringen galt dem dortigen Heidenthume, den Verehrern des Moloch, als höchster Gottesdienst; diesem Opfer schrieb man die höchste versöhnende Kraft bei, es zu vollziehen war die größte Selbstentäußerung des Menschen, war es ja die willige Hingabe des Liebsten, um seine Unterwürfigkeit zu beweisen. Man verehrte in seinem Gotte die starre Macht; nur durch blinde Unterordnung, durch Ertödtung aller sonstigen Menschengefühle konnte man ihr nahen, sich als treuen Knecht bewähren. Das Judenthum verwarf