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Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben · 1868-01-01 · 1 (1868) · p. Seite 8

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Journal
Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
Volume
6 (1868)
Issue
1 (1868)
Date
1868-01-01
Page
Seite 8 (sequence 9)
Language
German
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8 I. Unser Gottesdienst. jedoch noch nicht da. Noch sind Bestanvtheile in der Gemeinde vorhanden,^ die bei aller Klarheit des Geistes und Wärme des Herzens mit ihren Jugenderinnerungen und Gewohnheiten in der Zeit des altbefestigten hebräischen Gottesdienstes wurzeln, und diese Männer sind tüchtige Kräfte innerhalb der Gemeinde, sind die Träger tiefen jüdischen Sinnes. Die volle Lösung würde tief derwunden und edle Theile verletzen. Die Umwandlung darf für jetzt keine vollständige sein, sie muß angestrebt, darf blos allmälig vollzogen werden. Hier ist der Weg des Co mp romiss es der einzig richtige, die gegenseitige Verständigung, die angemessene Theilung, in der ein Jeder das Seine erhält, der Eine das alte liebgewordene Bekannte nicht vermißt, dem Andern das notwendige Neue dargereicht wird. Dem hebräischen Texte, der doch der überwiegende bleiben wird, muß in dem Gebetbuche eine Uebersetzung oder richtiger eine angemessene Bearbeitung in der Muttersprache zur Seite gehn, die zum Verständnisse des vollen Inhaltes führt, Die deutschen Gebete müssen möglichst kurz sein, nicht stereotyp werden, sondern abwechseln. Ueberhaupt aber kann was jetzt gegeben werden kann, nicht mustergültig sein für alle Zeiten, wir müssen es der nahen Zukunft überlassen, das Werk der Neubelebung zu vervollständigen. Was von der Sprache, gilt auch II. von der Dauer des Gottesdienstes. Unser Gottesdienst ist zu einem Umfange angewachsen, der seinem wahren Zwecke hinderlich ist. Man hatte bei seiner Gründüng die Mahnung eines Lehrers überhört, der einsichtsvoll aussprach: ״wenn das Gebet zur feststehenden Formel gemacht wird, hört es auf Herzensergießung zu sein". Die nationalen Erinnerungen und Hoffnungen vor Allem erhielten ihren unverbrüchlichen dauernden Ausdruck: das Gedenken der Väter, die Ueberzeugung von der Auferstehung und der Restauration, die Bitte um Wieder- Herstellung des Tempels und des Tempeldienstes mit dem Priesterfegen durfte niemals fehlen, und die verschiedenen Gebete des Preises und die Bitten für die gesammten wie für die privaten Angelegenheiten lehnten sich daran, Anfangs in freier Form, dann gleichfalls in bestimmter Ausprägung. Was dann zu verschiedenen Zeiten als neues Bedürfniß seinen Ausdruck verlangte, trat als Zuthat hinzu,

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