Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 6 (1868)
- Issue
- 1 (1868)
- Date
- 1868-01-01
- Page
- Seite 7 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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I. Unser Gottesdienst. 7 etwa als wollten wir mit einer solchen Umgestaltung verdächtigenden Angriffen von außen schwächlich nachgeben; sie würden im Gegentheile den Widerstand in uns wieder neu wach rufen, in dem sie uns so lange erhalten haben. Wir legen vielmehr unbesiegt, aber versöhnt die Waffen nieder, in Frieden uns vereinend und unsere Schätze aller Welt darbietend. Diese innere, mehr ideale Nöthigung zur sprachlichen Um-- gestaltung unseres Gottesdienstes hat zugleich Verhältnisse in ihrem Gefolge, welche dieselbe zur realen unausweichlichen Nothwendigkeit machen. Das Hebräische war uns ehedem, zur Zeit des nationalen Hhantasielebens, wenn es auch keine lebende Sprache mehr war, nicht in seiner Tiefe, kaum correct verstanden wurde, dennoch eine höhere Heimath, es war die Sprache der Bildung, der Literatur, selbst der heitern Geistesübung, des Scherzes und des Witzes, kurz es knüpften sich daran wirklich die innigsten Beziehungen, weil Religion und Nationalität die zwar todte Sprache mit ihren edelsten Säften durchzogen. Dieser geistige Zustand ist geschwunden, schwindet von Tag zu Tag mehr. Unsere Bildung, unser geistbelebendes Schriftthum, unser Verkehr der anregenden und heitern Geselligkeit ist vaterländisch und wurzelt in der Muttersprache. Schon die Männer unter uns, wenn sie nicht durch Beruf oder besondere Neigung vorzugsweise der hebräischen Literatur sich befleißigen, haben eine sehr geringe Vertrautheit mit deren Sprache; unsere Frauen und unsere Jugend sind ihr bereits ganz entfremdet, und dieses Berhältniß wächst mit raschster Eile. Keine Klage nützt, keine Anklage ist gerechtfertigt gegenüber der Macht der Geschichte, deren Einfluß wir nicht etwa resignirt übernehmen, deren Heil wir vielmehr dankbar verehren müssen. Dem gegenwärtigen Geschlechte, noch mehr dem der nächsten Zukunft wird daher der bestehende Gottesdienst ganz unverständlich, es vermag sich an ihm nicht zu betheiligen und entzieht sich ihm immer mehr. Das ist die unumstößliche Thatsache, die hier mehr dort weniger ganz nackt hervortritt; da nützt kein Flickversuch und kein Verdecken. ״Der Sabbath, sagen aber die alten Lehrer, ist euch übergeben, nicht ihr dem Sabbathe". Gottesdienstliche Feier ist des Menschen wegen und nicht der Mensch nach ihr einzurichten. Die Geschichte hat das Urthei! gesprochen, wenn es auch noch nicht vollzogen ist. Unser Gottesdienst muß und wird in nutzer Zukunft seine sprachliche Neugeburt feiern. Die Zeit dafür ist