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Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben · 1868-01-01 · 1 (1868) · p. Seite 5

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Journal
Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
Volume
6 (1868)
Issue
1 (1868)
Date
1868-01-01
Page
Seite 5 (sequence 6)
Language
German
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I. Unser Gottesdienst. 5 I. Sprache des Gottesdienstes. Alle Gründe der Abwehr werden die Wahrheit nicht erschüttern können, daß das Gebet nur in der Muttersprache dern Herzen wahrhaft entströmen kann. Jede Aussprache in einem fremden Idiome ist ein Angeeignetes, durch den Verstand Vermitteltes, nicht aus dem innersten Gemüthsleben erwachsen. Unser Gottesdienst jedoch, auf palästinischem Boden zuerst erstanden, nahm auch bald einige bestimmte Formen in der dortigen Sprache an, und diese Sprache war eben die hebräische. Sie war freilich schon damals nicht mehr in ihrer alten biblischen Ursprünglichkeit, sie besaß nicht mehr die unbestrittene Herrschaft auf ihrem alten Heimathsboden, sie war von dem überwiegenden Einflüsse des Aramäischen bedroht; allein in dem Kampfe um die Erhaltung der volksthümlichen Selbstständigkeit entzündete sich auch der Eifer für die nationale Sprache. Als dann trotz heldenmüthigem Widerstande der jüdische Staat per Uebermacht Rom's unterliegen mußte, wurden die Bestrebungen und Hoffnungen, das nationale Leben aufrecht zu erhalten, mit Allem, was demselben entfloß und was es zu befestigen geeignet war, noch weit lebhafter ergriffen als zur Zeit!da Tempel und Staat bestanden. Der Zustand, in welchem man sich unter fremder Herrschaft, außerhalb Palästina's, befand, so dachte man, sei ein blos vorübergehender, eine Prüfungszeit im Exile, die einer schöneren Restauration wieder Weichen werde. Umsomehr mußten nun alle Institutionen, die in der Vergangenheit, zur Zeit des jüdischen Staatslebens in Geltung waren, möglichst erhalten, andere, die die Erinnerung daran zu erwecken geeignet waren, in's Leben gerufen werden, damit man zur ersehnten Zeit, Wohl ausgerüstet, mit dem vollen geistigen Bürgerrechte in die alte neu gewonnene Heimath wieder einziehen könne. Der Gottesdienst ward von diesen Gedanken tief erfüllt, und auch seine Sprache mußte die durch die nationalen Erinnerungen und Erwartungen geheiligte, die hebräische, bleiben. Man verhehlte sich durchaus nicht, daß das Gebet, die Zwiesprache des Menschen mit Gott, nicht an gewisse Laute geknüpft sei, daß es dabei vorzugsweise auf die andächtige Gesinnung ankomme und daß diese sich in jeder Sprache äußern könne und dürfe. Es drangen auch wirklich aramäische Elemente, die man doch eine Zeit lang mit besonderer Ungunst betrachtete, in den Gottesdienst

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