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Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben · 1868-01-01 · 1 (1868) · p. Seite 4

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Journal
Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
Volume
6 (1868)
Issue
1 (1868)
Date
1868-01-01
Page
Seite 4 (sequence 5)
Language
German
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4 I. Unser Gottesdienst. in der ThaL die gottesdienstliche Reform sich seit einem halben Jahrhundert immer weiterhin ausgedehnt, neue Gebiete erobert, und ein Stillstand, ein Abschließen ist um so weniger möglich, als die innere Bewegung, wenn auch zuweilen weniger geräuschvoll, ihren ununterbrochenen Verlauf hat. So bleibt die gottesdienstliche Verbesserung in allen Gemeinden, die nicht in religiöser Stumpfheit verharren oder zur religiösen Gleichgültigkeit hinabgesunken sind, eine Tag es frage, die sich immer erneut, weil sie noch nicht ganz gelöst ist und auch so rasch nicht ganz gelöst werden wird. Denn eine jede einzelne Gemeinde schließt wiederum, wenn sie auch auf dem Standpunkte der fortschreitenden religiösen Erkenntniß sich befindet, Elemente verschiedenartiger Abstufung in sich, die in ihren Anforderungen nicht vollkommen mit einander übereinstimmen, zwischen denen bei einer dem Allgemeinen geltenden Anordnung eine Vermittelung angestrebt werden muß. Jede Reform ist ja Ueberleitung aus der Vergangenheit in neubelebte Zukunft; sie bricht nicht etwa mit der Vergangenheit, sie erhält vielmehr sorgsam das mit ihr verknüpfende Band, sie setzt nicht blos, ihn neu stärkend, den auch früher lebendigen Geist in neuen lebenskräftigen Formen fort, sie knüpft auch an alle den Gemüthern liebgewordene Gewohnheit an, sie verfährt nicht mit schneidiger Konsequenz, sie folgt dem Gesetze des geschichtlichen Ueberganges. Bekennen wir es von vorn herein mit aller Offenheit, es wird gegenwärtig eine volle Heilung der Schäden nicht erzielt werden können. Die Abweichung der gegenwärtig herrschenden Ideen, des Bildungsgrades, den ein großer Theil unserer Männer und Frauen einnimmt, dem unsere Jugend zugeführt wird, erweitert sich zu einem gähnenden Abgrunde, der von denen der unmittelbaren Vergangenheit so sehr trennt, daß er für die nächste Zukunft noch nicht ganz ausgefüllt werden kann, daß alle unsere Versuche nur vorbereitende sein können. Dennoch steht das Vorangegangene uns noch so nahe, daß es nicht außer Acht gelassen werden darf, so sehr es auch von Tag zu Tag sich immer mehr auslebt und eine gar nicht mehr ferne Zeit ihm diese Berücksichtigung entziehen wird. Ich rechne zu solchen Fragen, die bei allem in ihnen enthaltenen Drange dennoch für jetzt blos theilweise gelöst werden können, bei denen ein Kompromiß ebenso nothwendig wie statthaft ist, besonders die zwei über die Sprache und über die Dauer des Gottesdienstes.

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