Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 6 (1868)
- Issue
- 1 (1868)
- Date
- 1868-01-01
- Page
- Seite 3 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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I. Unser Gottesdienst. 3 sein sollte. Das gelang selbst in ruhigen, geistig schlummernden Zeiten nicht, ja es war nicht einmal angestrebt worden. Palästinische und babylonische Gemeinden, portugiesischer (sefaradischer), provenzalischer, französisch-deutscher, polnischer Ritus, und innerhalb ihrer wieder einzelne Länderstriche und Gemeinden Weichen von einander nicht unwesentlich ab und stellen die bunteste Mannichfaltigkeit in ihrem Gottesdienste dar. Und Dies geschah nicht eben blos in naturwüchsiger Bewußtlosigkeit, dem dunkeln Drange des eigenthümlichen geschichtlichen Ganges folgend, sondern wurde meistens von angesehenen Lehrern, aus sorgfältiger Erwägung des Tonangebenden in der Gemeinde, angeordnet und demgemäß frühere Formeln ab geändert, Anordnungen, welche Aufnahme fanden, soweit der Einfluß reichte, soweit sie Zustimmung fanden. Man fand ebensowenig an dem Unternehmen der Aenderung Anstoß, sobald sie nur der Ueberzeugung entsprach, wie an der Abweichung von anderswo gellenden Normen; man zog den Ausdruck, den man als entsprechenden betrachtete, dem Einstimmen in eine verbreitete ungeeignete Formel vor. Um so weniger nun durfte in der neueren Zeit, welche von inneren Kämpfen weit mächtiger bewegt wird, erwartet werden, daß bei den als nothwendig hervortretenden Umgestaltungen eine allgemeine Uebereinstimmung von vorn herein sich Herausstellen werde. Das Bedürfniß war in dem einen Kreise lebendiger und verlangte gebieterisch seine Befriedigung, und es war nicht möglich zu warten, bis es auch dort, wo es noch schlummerte, erwachen, wo es erst dunkel sich regte, zu klarem Bewußtsein sich ausbilden werde. Würde man gezögert haben, dem eignen Drange zu genügen, abwartend bis die Gesammtheit von derselben Empfindung ergriffen werde, so wäre die Folge davon gewesen, daß das neu erweckte religiöse Leben wieder gänzlich ertödtet worden; die Kluft zwischen der innern Anforderung und dem bestehenden Ausdrucke hätte sich mächtig erweitert, nothwendig hätte man sich diesem immer mehr abgewendet, und vollständige Entfremdung, gänzlicher Abfall hätte immer weiter um sich gegriffen. Durch die neue entsprechende Form wurde im Gegentheil der innere Friede in diesem Kreise hergestellt, und er gab, wenn er auch augenblicklich von der übrigen Gesammtheit abwich, den Zögernden und Bedenklichen den Muth, auch ihrer Ueberzeugung Ausdruck zu geben, bot ein lebendiges Beispiel, das in weiten Kreisen zur Nachahmung erweckte. So hat 1*