Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 5 (1867)
- Issue
- 2-3 (1867)
- Date
- 1867-01-01
- Page
- Seite 233 (sequence 153)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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233 Aus Briefen. national, sie waren mit ihrem iberischen Vaterlande, mit dem sie etwa ein Jahrtausend hindurch alle Wechselfälle des Geschicks theilten, gänzlich verwachsen, so daß sie bei aller Treue gegen ihre religiöse Überzeugung, solange noch irgend eine Möglichkeit vor- Händen war sich dort zu erhalten, von dem vaterländischen Boden sich nicht lossagen konnten. Als sie es dennoch thaten, blieben sie in der Fremde wirklich Fremdlings, verknöcherten in ihren Traditionen, sind gesunken und sinken immer tiefer. Das zeigt sie freilich nicht als Helden, aber es zeugt vom Einleben der Juden in das Vaterland, und dieser so anhänglichen',^ darum in sich zerrissenen und äußerlich gemarterten Bevölkerung gebührt darum eher Mitleid, wenn auch nicht Bewunderung, als Verachtung. Eine kurze Andeutung zu ihrer gerechten Würdigung enthält die Charakteristik Isaak da Costa's in dieser Zeitschrift Bd. I S. 223 ff. G.j 3. Der Reuchlin'schen Fehde, den Dunkelmännerbriefen re. — ich komme jetzt auf die Anlage des Werkes zu reden — darf daher kein so weiter Raum eingeräumt werden, wie es in diesem Buche geschieht. Wichtiges wird dabei ganz ausgelassen. Luthers Gesinnungen über Juden wären Wohl einer nähern Darlegung Werth gewesen. So erfahren wir nur, daß ״er zuerst den Juden günstig gewesen," dann folgt eine Analyse der Schrift ״Wider die Juden und ihre Lügen", die sehr viel zu wünschen übrig läßt. Die Schrift Wider die Sabbather, eine Widerlegung der Hauptsätze des Judenthums, und die zerstreuten Stellen in seinen Werken werden übergangen. Gar keine Kenntniß hat Gr. von Luthers Briefwechsel. Und dennoch kommen darin nicht allein sehr wichtige Urtheile, sondem auch Facta vor, die Hr. Gr. ganz übergeht: die Vertreibung der Juden aus Regensburg, die Machinationen des Grafen Albert von Mansfeld gegen sie, die, wie wir aus diesen Briefen erfahren, sehr zahlreich in Eisleben und Umgegend gewohnt haben, ein Anschlag eines jüdischen Arztes auf Luthers Leben, L.'s Warnungen an den Herzog Albrecht von Preußen vor Alchhmie der Juden und endlich ein Brief an Josel Roßheim, der Hrn. Gr., der aus diesem Manne wo möglich einen Kaiser oder mindestens etwas Derartiges machen will, nicht hätte entgehen sollen. Auch vermisse ich eine nur irgendwie genügende zusammenhängende Auseinandersetzung der Urtheile und Meinungen Hutten's, Reuchlin's, Erasmus', Melanchthons u. A. über die Juden, die Wohl eher in eine Geschichte der Juden gehört haben würde als Anderes, womit wir freigebig bedacht werden.