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Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben · 1867-01-01 · 2-3 (1867) · p. Seite 225

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Journal
Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
Volume
5 (1867)
Issue
2-3 (1867)
Date
1867-01-01
Page
Seite 225 (sequence 145)
Language
German
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Ans Briefen. 225 ihrem Staatsleben epochemachend sind; eine Schöpfungsäre ist eine künstliche gelehrte Rechnung, welche geradezu das gegenwärtige Staatsleben mit seiner Entstehung als ungenügend bezeichnet, um nach ihm zu zählen. Sie ist wie ein Nothbehelf, um eine Herrschende Aere, der man die Geltung nicht zuerkennen möchte, zu beseitigen. Zu diesem Aufsuchen einer Aere, welche nicht an Ereignisse anknüpft, die die Bedeutung des bekämpften Fremdländischen erhöhen würden, konnte man sich in einer Zeit angetrieben fühlen, da man seine Selbstständigkeit mit steigendem Eifer gegen die syrischen Griechen wie gegen die nahende Uebermacht der Römer zu vertheidigen entschlössen war; man wollte weder die seleucidische Aere, welche Erinnerungen an die Herrschaft der Seleueiden auffrischte, forterhalten noch die römische, nach der Erbauung Rom's, nach Consuln oder Kaisern einführen. Eine Aere nach den Hasmonäerfürsten ״den Hohenpriestern des höchsten Gottes" war deren Gegnern nicht minder ärgerlich, und sie wirkten auf deren Verdrängung hin (vgl. Urschrift S. 34). Es blieb demnach nichts Anderes übrig als eine Aere auszusuchen, die von allen zeitlichen Staatseinrichtungen absehend, an das allgemeinste Weltereigniß, an die Schöpfung selbst anknüpfte. Ihre Wahl mag auch noch durch die damals hochgehende mesfianische Erwartung begünstigt worden sein. Es ist offenbar, daß die Aufstellung: mit dem fünften Jahrtausend werden ״die Messiastage" eintreten, einer sehr alten Zeit angehört, in der vier Jahrtausende noch nicht abgelaufen waren und die Zuversicht auf den baldigen Eintritt der Messiaszeit mit dem Beginne des fünften noch genährt werden konnte; diese Zuverficht war so stark, daß man zuerst — vergleiche weiter unter 3 — die Berechnung änderte und so den Zeitpunkt weiter hinausschob, und dann, als. auch dies nicht mehr fruchtete, als man sich eingestehen mußte, ״es seien alle Endpunkte der Berechnung schon vorübergegangen und der Sohn David's doch nicht gekommen," gab man die alte Behauptung nicht auf, sondern beruhigte sich mit der Annahme, die Sünden hätten den Eintritt der Messiaszeit verzögert. Zur Zeit der Gährung während des zweiten Tempels aber waren die vier Jahrtausende noch nicht abgelaufen, und man zählte recht eifrig nach der Schöpfung, um die Aussicht auf den nahen Eintritt der herrlichen Zeit sich recht lebhaft gegenwärtig zu halten. Man hatte keine Veranlassung die Zeit des Bestandes des zweiten Tempels abzukürzen, man zählte auch die persische Zeit Merteljahrsjchrift V. 2 und 3. 15

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