Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 5 (1867)
- Issue
- 2-3 (1867)
- Date
- 1867-01-01
- Page
- Seite 208 (sequence 128)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2420973-2420997-2420999--1496-2422580- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
208 Aus Briefen. ihnen Deine und andere tüchtige Leistungen eine Terra incognita sein? Diese bittere Frage kömmt mir unwillkürlich, indem ich das Buch des Rabbiners Dr. M. Duschak: ״Geschichte und Darstellung des jüdischen Cultus" zu Gesichte bekomme und darinnen herumblättere. Der Mann, dachte ich, hat sich eine dankbare, unbefangene Aufgabe gewählt. Äa, es ist gewiß wahr, der jüdische Cultus hat seine geschichtliche, gar bedeutsame Entwicklung, ist das flüssigste Moment in unserm religiösen Leben, und diese Entwicklung aufzuzeigen, das allmälige Werden und Umwandeln desselben darzulegen, ist eine dankbare Arbeit und man kann auf diesem Felde der Kritik Concessionen machen, ohne das Wesen des Judenthmns irgend anzutasten. Oonältio sine qua non aber einer solchen Arbeit ist richtiger Geschichtssinn, unbefangene Prüfung der biblischen und nachbiblischen Duellen und Urkunden. Dieser Bedingung kommt jedoch, wie mir scheint, Duschak, bei all seiner Kenntniß des Talmuds und der Midraschim, durchaus nicht nach. Da liest man gleich auf der ersten Seite der Einleitung, der liederreiche David habe den Sitz der Bundeslade mit einem glanzvollen Cultus umgeben. Woher weiß Duschak diese und die gleichfolgenden Angaben, daß Salomo den Gottesdienst Pracht- und glanzvoll angeordnet habe, daß selbst die Theilung des Reiches dem Cultus keinen Eintrag gethan? Aus — der Chronik, die er citirt. Nun weiß aber jeder* A-B-C-Schüler der Bibelkritik, welch eine unsichere und aus viel späterer Zeit stammende Quelle die Chronik ist, wie ihre Angaben Zustände des Cultus anticipiren, welche erst zur Zeit des zweiten Tempels sich herausgebildet haben. Duschak läßt die Quelle ganz unbefangen gelten. — Ich wollte, obgleich abgeschreckt vom Ankäufen und Lesen des Buches durch solchen Eingang, welcher für eine gewisse Klasse von Personen ohne Zweifel eine eaxtatio b6n6volentiae sein sollte, doch noch eine weitere Probe machen und blätterte weiter, namentlich im Capitel von den Festtagen. Ich dachte, wenn irgendwo, so müßte über die Geschichte des Cultus der Festtage und besonders des Neujahrs- und Versöhnungsfestes Erkleckliches zu sagen sein. Welchem Geschichtskundigen ist unbekannt, daß namentlich der Reujahrkultus erst in später Zeit das geworden ist, was er uns bedeutet? Und siehe, Duschak hat dafür keine leise Andeutung, oder versteckt sie wenigstens so, daß man sie kaum finden kann. ״Wir kommen zu dem sehr wichtigen, bedeu- Lungsvollen Neujahrsfeste, zu dem Feste, an welchem nach der