Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 5 (1867)
- Issue
- 2-3 (1867)
- Date
- 1867-01-01
- Page
- Seite 206 (sequence 126)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/2420973-2420997-2420999--1494-2422578- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
206 Aus Briefen. Auf diese Gedanken wurde ich neuerdings gebracht durch einen Blick in ein dickleibiges Buch: Das Judenthum in Palästina zur Zeit Christi. Der Verfasser, Katholik, D1\ I. Langen, Professor in Bonn, ist über jeden Verdacht des Mangels an katholischer Rechtgläubigkeit erhaben, ist nicht in Gefahr, sein Buch möchte in den Index prjoliibitorum librorum kommen. Und doch rathe ich den frommen Wächtern zu Bonn: eaveant, u6 quid respublica detrimenti capiat. Was ist die Tendenz des Buches? ״So genau wie möglich den Hintergrund kennen zu lernen, von dem das Bild der Person und der Lehre Jesu sich abhebt; denn auf jeden Fall war Jesus, menschlich betrachtet — man mag sonst über seine Person denken wie man will — jüdischer Herkunft und wirkte unter den Juden feiner Zeit." In diesen wenigen Worten der Vorrede liegt eine viel größere Coneession an die historische Kritik, als vielleicht der Verfasser geahnt. ״Der Hintergrund ist das Judenthum und daher ist genaue Kenntniß desselben von der höchsten Bedeutung" — schreibt ein katholischer Theologe unbefangen diese Worte und findet daher viel Wahres in Deiner Behauptung, Strauß und Renan hätten das Judenthum jener Zeit nicht gekannt, welchen Beiden er dann auch Schenkel hinzusügt — ״Gleiches kann man auch kühn von Schenkel sagen" —, so eröffnet er damit der Wissenschaft des Judenthums die Arena, so gibt er den Forschungen und Leistungen in dieser Wissenschaft eine immense Bedeutung. Freilich zunächst nicht den Deinigen; freilich mußt Du Dir's gefallen lassen, daß er sagt: Auch Geiger habe das damalige Judenthum nicht gründlich gekannt, daß er namentlich Deine Ansichten über Pharisäer und Sadducäer ״Albernheiten" nennt und sie ignorirt. Von seinem beschränkten Standpunkte aus kann der Mann wahrhaftig nicht anders. Dieser Standpunkt, der der Kirche, soll nun einmal unantastbar sein, die Kritik muß aufhören, wo die Kirche zu reden beginnt, wo das alte Dogma die Grenze gezogen hat; er muß von ״starren, entarteten" Pharisäern reden, denn diese Rolle der Starrheit und Entartung ist nun einmal den Pharisäern im neuen Testament Zuerkannt; er kann nur das leise, aber darum um so wichtigere Zugeständniß machen, ״daß anfangs wahrhafte Religiosität unter den Pharisäern gepflegt ward und auch in der Zeit der Entartung manches Mitglied dieser Sekte dieselbe sich bewahrte, ja daß Reste dieser Gesinnung der Sekte als solcher bis in die spätesten Zeiten verblieben." —