Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 5 (1867)
- Issue
- 2-3 (1867)
- Date
- 1867-01-01
- Page
- Seite 180 (sequence 100)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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180 Umschau. eine lebendige innere Bewegung erwarten ließ. Es mag hier ununtersucht bleiben, welche Umstände es verschuldet haben, daß diese Erwartung lange getäuscht worden-, trit aber das Bestreben, die berechtigten Anforderungen zu befriedigen, wenn auch noch leise, hervor, so begrüßen wir auch darin eine Blüthe neuer Verheißung. Ein Wochenblatt scheint schon lange in Amsterdam zu erscheinen: het nieuw Israelietiseh Weekblad; jedoch ist dasselbe Wohl wenig außerhalb Hollands bekannt geworden, mir wenigstens nie zu Gesicht gekommen. Als Anhang zu diesem Blatte soll von nun an in wenigstens acht Nummern jährlich erscheinen: doodsek-letterkundig6 Bijdragen. Das Interesse an der Literatur, wie es sich in dem Verlangen kund giebt, die Bekanntschaft mit ihr bibliographisch und inhaltlich zu befestigen und zu erweitern, sowie eine kritische Würdigung derselben zu vollziehen, ist der Ausdruck des lebhaften Dranges, sich das Vorhandene innerlich wahrhaft anzueignen und ist die Vorstufe zu dem weitern Schritte, das so zu vollem Besitze Erworbene selbstständig zu verarbeiten. Dieses Interesse ist schon vielfach in dortigen Publicationen hervorgetreten, namentlich in Unternehmungen des Hrn. Polak, wie dem trefflichen Halichot Kedem, in Ben Gorni, neuerdings in der Ausgabe des Chotam Tochnit von Bedarschi mit schätzbaren Anmerkungen des Hrn. Dr. Dünner. Die neue Beilage zum Wochenblatte wird von demselben Geiste durchweht. Die erste, bisher einzige Nummer, welche mir vorliegt, enthält recht beachtenswerthe Mittheilungen. Sie wird eröffnet durch den Anfang einer kritischen Würdigung des Pentateuch-Commentars von Samuel ben Meir, womit, wie es scheint, Hr. Di*. Dünner eine größere Abhandlung beginnt, an deren Schluffe Vorwort und Einleitung folgen sollen. Samuel ben Meir verdient ein solches genaues Eingehen, und das Verdienst seiner Leistung wird dadurch nur zu größerer Anerkennung gelangen. Hr. Dr. D. scheint ihn zwar mehr gleichsam wie einen Zeitgenossen zu behandeln, die fortgeschrittenen Einsichten unserer Zeit als Maßstab an sein Werk anzulegen, sich nicht genügend in die Zeit und Umgebung hineinzuversetzen, zu welcher der einfache Schriftsinn, zumal des Pentateuch, halachisch und hagadisch überwuchert war und Samuel ben Meir zwar in Menachem ben Chelbo und Joseph Kara Vorgänger fand, sich aber dennoch den Weg grammatisch und exegetisch selbstständig ebnen, von dem üppig aufgeschossenen Gestrüppe säubern mußte.