Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 5 (1867)
- Issue
- 2-3 (1867)
- Date
- 1867-01-01
- Page
- Seite 179 (sequence 99)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Zwei neue jüdische Zeitschriften. 179 Berlin hat sich lange von andern in jeder Beziehung weit unter ihm stehenden Gemeinden den Rang ablaufen lassen; es hat als Gesammtgemeinde sich lange in einem zähen Conservatismus gefallen, dem das Leben der Mitglieder entschieden widersprach, so daß ihr Gegensatz zu der ganzen Zeitbewegung ihren Einfluß nach Außen und nach Innen bedeutend verminderte. Mit um so größerer Freude ist das energische Aufraffen des ermatteten Geistes in neuester Zeit zu begrüßen. Ein Ausdruck dieser beginnenden machtigen Geistesströmung ist die ״Gegenwart", und sie trägt diesen ihren Namen mit Recht. Weniger sagt mir die Bezeichnung als ״Berliner Wochenschrift" zu. Sie ist selbstverständlich eine solche, hat auch die Aufgabe Kunde zu geben von den Zuständen der Berliner Gemeinde wie anregenden Einfluß auf deren weitere Gestaltung zu üben. Allein dieses Prädieat giebt zu dem Mißverständnisse Veranlassung, als sei sie ausschließlich oder doch vorzugsweise Berliner Verhältnissen gewidmet, während sie dort nur den Brennpunkt, den geistigen Heerd für die Aussendung ihrer Strahlen finden soll. Ob die scheinbare Beschränkung, welche in dem Ausdrucke liegt, auch Einfluß auf die Ausführung des Unternehmens ausübt, kann bei demselben, das noch in seiner ersten Entwickelung begriffen ist, nicht entschieden werden, mag aber doch als Mahnung nicht unterdrückt werden. Um mich über Gerst und Richtung wie über das redactionelle Geschick, die in der neuen Wochenschrift hervortreten, mit vollem Eingehen auszusprechen, daran verhindert mich der Umstand, für den ich meinen tiefgefühlten Dank nicht zu verschweigen vermag, daß dieselbe mit wahrhaft liebender Theilnahme sich meiner Person und meinen Bestrebungen zuwendet. Doch darf ich trotzdem die Aufmerksamkeit des schreibenden wie des lesenden jüdischen Publicums auf dieses Organ, das eine Verheißung in sich schließt, recht nachdrücklich hinlenken. Die zweite erfreuliche Erscheinung kommt aus einem Lande, das lange Zeit in einer etwas dumpfen Stille verharrte, und dennoch nicht blos eine nicht unrühmliche, wenn auch nicht sehr alte, Vergangenheit hat, sondern auch in seiner ziemlich Zahlreichen jüdischen Bevölkerung einen reichen Schatz literarischer Hülssmittel aufbewahrt, und wo schon lange die milde Behandlung, dann die völlige verwirklichte Gleichstellung, deren sich die Juden dort erfreuen, 12*