Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 5 (1867)
- Issue
- 2-3 (1867)
- Date
- 1867-01-01
- Page
- Seite 178 (sequence 98)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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178 Umschau. langt. Einem solchen Drange, wie er sich zunächst unter den Mitarbeitern kund giebt, entspricht dann gewöhnlich auch die Empfanglichkeit des betheiligten Publicums, mag auch ein Unternehmen wegen ungenügender Ausführung oder aus andern Ursachen sich nicht erhalten. Die außerordentliche journalistische Fruchtbarkeit in den vierziger Jahren war ebenso der Abdruck einer sehr bewegten religiösen Zeit im Judenthum wie umgekehrt das Verstummen der öffentlichen Organe in dem darauf folgenden Jahrzehnt ein nur zu beredtes Zeugniß für die Erschlaffung. Das Erscheinen neuer periobischer Blätter weckt die frohe Hoffnung, daß die Abspannung nachläßt, der Geist erstarkend die Aufgabe wieder aufnimmt, mit neuer Kraft die Lösung religiöser und jüdisch-wissenschaftlicher Fragen versucht. Besonders erfreulich ist nun, wenn frische Kräfte bei einem solchen Unternehmen hervortreten, von neuen Orten und Gegenden die Anregung ausgeht. Eine solche frohe Botschaft liegt uns nun in zwei neuen, diesem Jahre angehörigen Erscheinungen vor. ״Die Gegenwart. Berliner Wochenschrift für jüdische Angelegenheiten" erscheint regelmäßig seit dem Beginne dieses Jahres unter/der Redaetion des Hrn. Carl Hirsch, und liegen bereits 18 Nummern vor. Die Berliner Gemeinde hatte schon seit Mendelssohn ganz besonders die Augen auf sich gelenkt. Sie ist dann mit Berlin selbst an Zahl wie an Bedeutung gewachsen; durch den neuesten Umschwung der deutschen Verhältnisse muß sich in ihr der naturgemäße Drang geltend machen, sich zum Mittelpunkte der deutsch-jüdischen Bestrebungen zu gestalten. Wenn Berlin selbst einen solchen für den preußischen Staat und das mit ihm verbundene Deutschland weniger durch seine Lage als durch den Sitz der Macht bildet, so hat die Berliner jüdische Gemeinde noch den Umstand voraus, daß die östliche Hälfte des Staates, wenn auch weniger ausgedehnt, doch eine verhältnißmäßig zahlreichere jüdische Bevölkerung einschließt, die, großentheils ehemals slavischen Ländern angehörend oder doch ursprünglich von dort eingewandert, ihr eigenthümliches Gepräge hat. Zu dem Gewichte, welches diese Gemeinde nun durch die Machtstellung des Staates, durch Lage und Zahl immer mehr erlangt, zu dem Einflüsse, welchen reiche, immer bereitwillig gespendete Mittel für alle guten Zwecke verschaffen, kommen noch die bedeutenden geistigen Kräfte hinzu, welche dort angesammelt sind und sich immer mehr auch an der innern Gestaltung des Judenthums zu betheiligen anfangen.