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Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben · 1867-01-01 · 2-3 (1867) · p. Seite 141

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Journal
Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
Volume
5 (1867)
Issue
2-3 (1867)
Date
1867-01-01
Page
Seite 141 (sequence 61)
Language
German
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y. Ein althochdeutsches Schlummerlied. 141 Zuerst findet Jaffe die Schriftzüge so stümperhaft, liederlich und von den sonst bekannten des 10. Jahrhunderts und überhaupt des Mittelalters so ganz abweichend, daß sie schon allein dem Paläographen die Pflicht auferlegen, das Ganze für ein Falsum zu erklären. Indem ferner der Fälscher eine damals neue Notiz von einer eigenthümlichen Punctation hebräischer Handschriften, die im Orient ehedem gebräuchlich gewesen und die Bocalzeichen über statt unter die Consonanten setzt, benutzte, um irre zu leiten, war ihm leider der Umstand verborgen geblieben, daß in diesem Punktationsshstem die Bocalzeichen andere sind, als bei unseren gewöhnlichen; indem er daher die uns geläufigen Punkte über die Köpfe der Consonanten setzte, brachte er eine Verbindung zu Stande, die sonst nirgends existirt. * Wenn ferner solche Punkte wiederholt auch in deutschen Worten statt der Vocale übergeschrieben sind, so hatte das für jeden mittelalterlichen Schreiber nur den Sinn, daß die betrefsenden Consonanten zu tilgen seien, aber keinen andern. — Die Schmutzflecken, welche auf dem Originale des Streifens viel reichlicher vorhanden sind, als am Facsimile, und die das jahrhundertlange Vagabondiren des Streifens bezeugen könnten, ziehen sich nicht über die Buchstaben hin, sondern dienen ihnen als Grundläge; die Schrift ist also jünger als der Schmutz. Am Jnteressantesten aber dürfte der Umstand sein, daß auf dem Pergamente selbst unter den hebräischen Worten, welche in so höchst auffallender Weise zwischen den Zeilen sich wie Glossen eingestreut finden, der Name des Entdeckers des Liedes, Zappert, deutlich zu lesen steht. Herr Zappert will zwar, daß das Wort Zipora gelesen werden soll, aber wer Hebräisch versteht, sieht klar das Wort פרת£ vor sich, das heißt buchstäblich ZPRT und vocalisirt Zappert!" Indem ich nun allerdings glaube, daß die Aechtheit des Liedes kaum mehr aufrecht Zu erhalten sein dürfte, so wollte ich doch die obigen Erörterungen über einen unter bedeutenden Gelehrten streitigen Gegenstand, nachdem sie einmal niedergeschrieben worden, nicht zurückhalten.

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