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Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben · 1867-01-01 · 2-3 (1867) · p. Seite 138

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Journal
Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
Volume
5 (1867)
Issue
2-3 (1867)
Date
1867-01-01
Page
Seite 138 (sequence 58)
Language
German
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138 V. Ein althochdeutsches Schlummerlied. fens die Voraussetzung rechtfertigt, weiß ich nicht; der Inhalt jedoch giebt durchaus keine Handhabe dafür. Das altdeutsche Lied ist vollständig, abgeschlossen, die hebräischen Worte hingegen so abgerissen, daß sie nur als vereinzelt hingeworfen, nicht aber als Theil eines größeren Ganzen erscheinen. Nun wird zwar behauptet, das angebliche Büchlein sei zum Unterrichte bestimmt gewesen, die einzelnen Wörter seien das Fragment eines vollständigen Wörterbuches, die am untern Rande befindlichen sechs Worte, welche zwei Versen der Sprüche entnommen sind, seien ein Stück einer dazu gehörigen Spruchsammlung. Diese gewagte Combination wird schon durch die Beschaffenheit des uns Vorliegenden nicht bestätigt. Wenn nwp etwa das letzte Wort aus dem Buchstaben Kos sein soll, so kommt dann ׳mit einem Male außer der Reihe rmt während vor רגל sämmtliche Stämme, die mit רא und רב beginnen, dann noch das vorausgehende רגב und ferner mehrere zwischen den aufgenommenen in der Mitte liegende fehlen. Welchen lexikalischen Werth sollten auch diese einzelnen Wörter ohne Uebersetzung in eine andere Sprache ansprechen können? Aber ganz besonders unbegreiflich bleibt, daß dieselben am Rande eines altdeutschen Liedes stehen, dessen Zusammenhang mit dem Wörterbuche man in keiner Weise erkennt. Oder sollte dieses Lied etwa ein Uebungsstück sein, um es in's Hebräische zu übersetzen? Dafür könnten wohl die drei zwischen die Zeilen geschriebenen Worte sprechen. Doch nützen diese sehr wenig dafür. Esther und Zipora haben mit Ostra und Zanfana nur Klangähnlichkeit, aber keine Verwandtschaft in der Bedeutung; Dodi kann dem Tocha zwar entsprechen, aber weiter wäre dem Schüler kein Hülfsmittel geboten. Und überhaupt ist ein solches Lehr- und Uebungsbuch aus jener Zeit nicht zu erwarten. Wer Hebräisch lernen wollte, der gieng an die Bibel heran unter Anleitung eines Lehrers; methodische Anleitungen gab es Weiler nicht, Grammatiken und Lexika waren nur dem zugänglich, der schon mit der Sprache bekannt war, da auch sie hebräisch abgefaßt wurden. Endlich aber ist noch eine Erscheinung, die jedenfalls unerklärt bleibt. Abgesehen nämlich von den hebräischen Vocalzeichen, welche hie und da im Liede die deutschen Vocalbuchstaben ersetzen und die, wie es scheint, des engen Raumes wegen gewählt sind, finden wir diese Vocalzeichen auch bei den einzelnen Wörtern an dem obern Rande wie bei den Spruchfragmenten auf der Rückseite, aber — seltsamerweise über den Buchstaben. Nun kennt man zwar eine

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