Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 5 (1867)
- Issue
- 2-3 (1867)
- Date
- 1867-01-01
- Page
- Seite 133 (sequence 53)
- Language
- German
- Belongs to
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IV. Gabirol. 133 möchte es schier beklagen, daß Heine die Bekanntschaft Gabirol's nicht gemacht hat. Er hätte sich diesem blutsverwandter gefühlt als dem melancholischen Abul-Hassan, dem er eine diamantene Krone aufs Haupt gesetzt. Wer weiß, was er mit diesem ״Faust von Saragossa" angefangen hätte, der so viel Wundersames und Räthselhaftes in sich birgt! Und ist die in seiner Philosophie wie in seinen nichtreligiösen Dichtungen überhaupt, bis zur Verleugnung des jüdisch-nationalen Typus durchgeführte Loslösung vom Boden des Positiven nicht gleichfalls ein seltener Ausdruck eines potenzirt subjectiven Idealismus, dessen vielleicht kaum ein moderner Philosoph fähig sein möchte? In Summa: wir stehen vor einer in jeder Beziehung ganz außerordentlichen Erscheinung, und Sie haben ein verdienstliches Werk vollbracht, indem Sie nicht blos den symbolischen Lorbeerzweig des Litterarhistorikers, sondern zugleich den blühenden Rosenkranz der wiedergeborenen- Poesien auf das verschüttete Dichtergrab in Valencia legten. Das Pantheon der gottbegnadeten Sänger hat nun einen Platz mehr besetzt. ״Für das Biographische hatten Sie freilich nur ein dürftiges und lückenhaftes Material; aber auch das kommt Gabirol Zu Gute, daß er, wie die größten Dichter aller Zeiten, halb in den Nebeln des Mythus, halb im Dämmerschein anbrechender geschichtlicher Helle, nur aus unantastbarer Ferne beschaut werden kann und dem beengenden Kreise des Endlichen entrückt scheint. So haben wir ein Standbild, dessen Idealität uns für die fehlenden individuellen Züge reichlich entschädigt." In Betreff des Biographischen, des Verhältnisses Gabirol's zu berühmten Zeitgenossen und über diese selbst, soweit sie in das Leben unsers Dichters Hineinspielen, habe ich, obgleich diese Partie von mir mit ziemlicher Eile ausgearbeitet werden mußte, auch nun Nichts hinzuzufügen. Mir war allerdings bei der Arbeit die Ab- Handlung Dozy's über Samuel und Joseph Nagdilah, von welcher ich mir früher das Wesentliche ausgezogen, weder im Buche selbst, noch in diesem Auszüge vor Augen; nun da ich diesen wiedergefunden, bemerke ich wohl, daß ich vielleicht einige kleine Züge für die beiden vornehmen und gelehrten Männer hätte benützen können, jedoch bleibt das Gesammtbild davon unberührt, und in der Annahme über die Zeitbestimmungen Weiche ich von denen Grätz's nicht ab, so daß ich in diesem die Resultate voraussetzenden Büch-