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Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben · 1867-01-01 · 2-3 (1867) · p. Seite 132

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Journal
Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
Volume
5 (1867)
Issue
2-3 (1867)
Date
1867-01-01
Page
Seite 132 (sequence 52)
Language
German
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132 IV. Gabirol. ״Wie überrascht, ja fast betroffen, fühlte ich mich, in dem mir bis dahin völlig fremden Dichter eine Ader, ich möchte fast sagen modernen Blutes zu finden, in einer Mischung, die wir bis jetzt nur für entschieden germanisch zu halten gewohnt waren. Man wäre fast versucht, den Grundton dieser Dichtungen mit dem leider verrufenen Namen ״Weltschmerz" zu bezeichnen, von jener edeln zum Mitgefühl ergreifenden Art, die wir an Byron, Heine und Lenau bewundern, wenn nicht eine zu große Verschiedenheit der seelischen Motive diesen Vergleich dennoch bedenklich machte. Aber die selbstquälerische Bitterkeit, der titanische Trotz, die Gereiztheit gegen die eigenen Freunde, und vor Allem der faustische Zug des Grübelns und Durchbrechens aller positiven Schranken des Wissens und Denkens, scheint mir in einem Dichter, der seine Eingebungen doch nur aus dem Bereiche orientalischer Anschauungen schöpfen konnte, etwas nahezu Wunderbares und bezeugt die Originalität seiner Poetischen Natur. Wie im Wesen, so auch in der Form, ich meine in der Bildlichkeit der Sprache, ist eine viel größere Verwandtschaft mit dem Abend-, als mit dem Morgenlande. Statt der wesenlosen Figuren aus dem Bereich einer überschwenglichen Phantasie, welche den Schmuck orientalischer Poeten ausmachen, finden wir hier in der That kühne, durch die Großartigkeit der Conception an unsere ersten Dichter gemahnende Abbilder des realen Naturlebens in Erscheinung und tiefer Wirkung auf das Gemüth des Beschauers. So in dem Liede S. 49 No. 4: ״Will ihren Flügel schon die Nacht erheben" zu Anfang, No. 5 (S. 50): ״Die Wolken brüllen" — ist ein erhabenes Naturgemälde, das nur von der folgenden No. 6 (״Nacht war's") an drastischer Gewalt übertroffen wird. Ein Bild, das wahrhaft seines Gleichen sucht, enthält im letzten die Stelle: ״Der Himmel hat ein düster Kleid — thränenreiche Trauer." Lieblich und von einem lebensheitern Natursinn erfüllt ist die erste Hälfte der No. 10 (S. 54) ״Der Herbst gelobt's und er erfüllt", und erhaben in der Liefen Erregtheit aller Schmerzensempfindungen des mit den Räthseln der Ewigkeit ringenden Denkers die Rhapsodie No. 14 ״Stürmst, meine Seele, und es schwanken re. Auch der Humor muthet uns sympathisch an. Daß der schmerzerfüllte Poet den Wein verschmäht, weil er in ihm kein Ruhebett für seine Niesenleiden findet (S. 49 No. 3), geht noch über Heine, der bekanntlich für seine Schmerzen einen Sarg zimmert, welcher so groß wie das Heidelberger Faß sein soll. Man

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