Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 5 (1867)
- Issue
- 2-3 (1867)
- Date
- 1867-01-01
- Page
- Seite 131 (sequence 51)
- Language
- German
- Belongs to
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IV. Gabrrol. 131 wiß einem neuen Fortschritte in der Feststellung und dem Verstandnisse der Texte entgegen sehen. Auch die Persönlichkeit und die Lebensschicksale Gabirol's sind uns durch diese neuen Arbeiten über ihn näher gerückt; sind ja die kurzen, aber treffenden Andeutungen, welche Moses ben Esra über ihn gegeben, selbst erst neuerdings bekannt geworden. Er ist uns näher gebracht, wenn auch vielleicht diese genauere Bekanntschaft manche peinliche Empfindung erweckt. Es ist in ihm nicht das reiche liebewarme Gemüth, welches uns bei Juda Ha-Levi in Sehnsucht und Wehmuth wie im Scherz und dem Ausdrucke der Freundschaft so wohlthuend umfängt. Gabirol's Sehnsucht ist die des unbefriedigten Geistes, seine Freundschaft von lauerndem Mißtrauen begleitet; eine anspruchsvolle stolze Natur, quält er die ihm am Nächsten stehen und wir halten uns in banger Scheu in Entfernung von ihm. Er macht uns, wie mir ein geistvoller Freund bemerkt, den Eindruck, den Tasso in uns hervorruft, besonders in der meisterhaften Darstellung Göthe's, und dabei fehlt ihm noch die mildernde Einwirkung edler Frauen. Nun, als Dichter an Tasso, als Philosoph an Spinoza zu erinnern, bleibt immerhin die Spur eines gewaltigen Talentes. Wer nach Jahrhunderten immer deutlicher, in immer schärfer ausgeprägten Zügen der Nachwelt zum Bewußtsein kommt, der ist jedenfalls ein unverwischbarer markiger Charakter. Es sei mir noch vergönnt, den Eindruck wiederzugeben, welchen ein kenntnißvoller Freund mit feinem ästhetischen Gefühle von ihm ausgenommen hat?) ״Mir war — so schreibt er — bisher von Gabirol nicht viel mehr bekannt, als daß er den Gang durch die Jahr- Hunderte in der erborgten maurisch-christlichen Maske des Platonikers Avicebron zurückzulegen von der heiligen Unwissenheit der Mönche und Rabbinen verurtheilt war, bis das die Nacht der Zeilen durchdringende Auge eines Blinden in ihm den hehren Geist des sephardischen Juden Salomo ibn Gabirol aus dem Banne erlöste und die verwandtschaftlichen Züge mit dem großen ״einsamen Denker" an der Glasschleife zu Amsterdam entdeckte, der die dunkele Thüre der Scholastik für ewig geschlossen hat. 1) Dieses Schreiben ist nachträglich zu einer Anzeige verarbeitet, unterzeichnet Dr. H., im Feuilleton der Schlesischen Zeitung vom 20. Juni erschienen.