Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 5 (1867)
- Issue
- 2-3 (1867)
- Date
- 1867-01-01
- Page
- Seite 121 (sequence 41)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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IV. Gabirol. 121 sche Vertiefung gefunden, ohne jedoch mit seinem mächtigen Ringen vertrauter zu sein; man ließ ihn als einen Einzelnen in der reichen Anzahl glänzender Geister der spanischen Epoche gelten, ohne ihn besonders hervorzuheben. Da wurde er zuerst 1846 durch Salomon Munk als der Avieebron erkannt, der als kühner Denker die Geister der Scholastiker so mächtig anregte, der aus deren kargen Andeutungen in seiner selbstständigen Macht des Denkens und in seinem Einflüsse auf die Entwickelung des geschichtlichen Denkproeesses als bedeutend sich herausstellt. Mehr und mehr lichtete Munk und gleichzeitig mit ihm Andere das Dunkel, das über Gabirol-Avieebron sich gelagert. Sein philosophisches Werk war aufgefunden und beleuchtet; ob und inwieweit er original gewesen, ist jedoch noch nicht festgestellt. Während die Scholastiker sich mit Avieebron als dem Begründer nnd Vertreter einer eigenthümlichen philosophischen Richtung beschäftigen, hat allerdings Munk bereits erkannt, daß er von der zu seiner Zeit in die arabische Philosophie eindringenden neuplatonischeu Strömung, die sich sogar in einem dem Aristoteles untergeschobenen Werke weit ausdehnte, ergriffen worden, daß er an diese sich anschließe und ganz besonders hie und da eine volle Uebereinstimmung mit Plotin an den Tag lege. Diese Übereinstimmung gestaltet sich nach Joels Nachweisungen geradezu zu einer sehr starken Abhängigkeit, einer oft wörtlichen Wiedergabe von dessen Sätzen. Hingegen hatte Seyerlen ihm eine weit größere Selbstständigkeit des Denkens beigelegt und ihn in der Originalität und Tiefe der Forschung Spinoza'n an die Seite zu stellen kein Bedenken getragen. Aber auch Jene, die in ihm blos den Jünger eines bereits durchgearbeiten Systems erkennen, haben ihm keineswegs den Ernst selbstständiger Forschung und der vollen Verarbeitung, auch eigenthümlicher Modifieirung der von ihm aufgenommenen Resultate abgestritten. Ferner ist bis jetzt noch nicht nachgewiesen, daß die Werke der Neuplatoniker den Arabern vollständig durch Uebersetzungen bekannt geworden, daß namentlich Plotin ihnen zugänglich gewesen, wenn auch die Auffassung des Aristoteles in neuplatonischem Sinne bei ihnen feststeht. Dem lateinischen Uebersetzer des fons vitae, eben des Gabirol - Avicebron'schen philosophischen Werkes, der um ein Jahrhundert nach dem Verfasser gelebt, erschien dasselbe so eigenthümlich, daß er dessen Uebertragung zu unternehmen für wichtig genug hielt, so daß wir voraussetzen dürfen, ihm sei kein Werk