Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 5 (1867)
- Issue
- 2-3 (1867)
- Date
- 1867-01-01
- Page
- Seite 112 (sequence 32)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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112 II. Biblische und thalnmdische Miscellen. Dieselbe Bestimmung wird nun auf Peah, die am Ende des Feldes stehen zu lassende Frucht für den Armen, übertragen. Auch für sie ist biblisch kein Maß angegeben, und auch später noch stand fest, daß אין לח עויעוד, es für sie ein bestimmtes Maß nicht gebe (Peah 1, 1), dennoch aber galt als selbstverständlich, daß man nicht weniger als den sechszigsten Theil gebe (das. 2), welche zwei Angaben ganz dasselbe aussagen, weil eben ein Sechszigstel der geringste Bruchtheil ist. Die jerusalm. Gem. z. St. sagt daher in ihrer Frage ganz richtig, es sei zwischen dem Ausspruche, die Peah habe nach unten kein Maß, und dem andern, sie habe ein Maß, gar kein Unterschied, da nach beiden ein Sechszigstel stehen zu lassen sei (בלח נפיק בלן ביכיחון וחן חד בלן פגעגים), und die Aufsuchung eines angeblichen Unterschiedes ist in der That überflüssig. Auch in Beziehung auf die Priesterabgabe von der Schafschur bestimmen die babylonischen Lehrer ein Sechzigstel (Chullin 137 b), und als dagegen eingewendet wurde, es heiße doch, die Priesterabgabe sei unbestimmt (בהל טוחן), so antwortet der mit diesem Einwurfe angegangene Lehrer: ■אם כן בלח בין לי ולן־, nun, so ist ja kein Unterschied zwischen mir und Dir, da eben das Geringste ein Sechzigstel ist — eine Phrase, die Raschi in anderer sehr gezwungener Weise erklärt^. Einen noch tiefergreifenden Einfluß übt das Sexagesimalshstem, indem die babylonischen Lehrer die Bestimmung trafen, daß eine verbotene Speise in einer Mischung von erlaubten Speisen dann nicht beachtet wird, wenn diese das Sechzigfache betragen, offenbar blos aus dem Grunde, weil ein Sechszigstel als ein Minimum, als nicht vorhanden angesehen wird (Abodath Elilim 69 a. Chullin 98 a.) Die palästinische Mischnah und die jerusalemische Gemara kennen diese Bestimmung nicht, nur die babylonische Gemara berichtet davon im Namen babyl. Lehrer, und ist von ihr aus diese Anordnung nach allen Consequenzen in die Codices übergegangen. Die spätere Gemara sowohl als die sie begleitenden Erklärer kennen keinen Anhaltspunkt für diese Bestimmung und suchen nach den entlegensten Anlehnungen; sie beruht jedoch einfach 1) Auch Schabbath 140 a bedeutet diese Phrase im Munde Jantlai's dasselbe: was ist denn für Streit zwischen mir und Dir? Die Mischnah giebt die Ansicht eines Einzelnen wieder, die ungültig ist. Auch dort hat Raschi die gezwungene Erklärung.