Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 5 (1867)
- Issue
- 2-3 (1867)
- Date
- 1867-01-01
- Page
- Seite 111 (sequence 31)
- Language
- German
- Belongs to
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7. Das babylonische SexagesimäLsystem. 111 7. Das babylonische Sexagesimalsystem in den halachischen Bestimmungen. Die Babylonier — sagt Brandis in seinem Werke: Das Münz-, Maß- und Gewichtswesen in Vorderasien bis auf Alexander den Großen, S. 7 ff. — haben ein arithmetisches System ausgebildet, welches auf der Grundzahl 60 beruht und wie das sogenannte dekadische System jedem Zahlzeichen einen von seiner Stellung abhängigen Werth giebt . . . Jedes Zifferblatt unserer Uhren ist uns unbewußt ein lebendiges Zeugniß dieser babylonischen Weisheit." Aber auch in halachischen Vorschriften des Judenthums, die zum Theil noch als maßgebend beobachtet werden, hat sich dieses babylonische Sexagesimal - System eingeprägt, und finden dieselben nur in ihm ihre Erklärung. Schon Ezechiel geht damit der späteren Zeit voran. Wie er (45, 12) eine Mine von 60 Schekeln kennt, so bestimmt er auch als gesetzliche Hebe (Therumah), als Priesterabgabe, für die im Gesetze kein bestimmtes Maß vorgeschrieben ist, den kleinsten Theil, nämlich ein Sechszigstel, ein Sechstel Efah von einem Chomer Waizen oder Gerste (V. 13), ein Chomer aber enthält 10 Efah (V. 11). Danach sagt auch die Mischnah (Therumoth 4, 3), mindestens müsse ein Sechszigstel als Therumah verabreicht werden, doch gebe wer nicht karg, geschweige ein Freigebiger, mehr, und die jerusalemische Gemara zur Stelle lehnt diese Bestimmungen richtig an die Vorschrift Ezechiel's an. Die Fünfzigtheilung, welche bei den Griechen die alte perfische Sechszigtheiluug Lheilweise verdrängte (Brandis a. a. O. S. 53ff.), übte zwar auf das jüdische Münzwesen ihren Einfluß, konnte aber auf die althergebrachten halachischen Anordnungen nicht umgestaltend einwirken. Die Schule Schammai's zwar — vielleicht in engerem Anschlüsse an die Sadducäer, welche den Vortheil des Priesters in dem neuen System besser gewahrt sahen — verlangte selbst von dem Geizigsten ein Fünfzigstel als Therumah (Thoßeftha Therumoth 6. 5, und jerus. Gem. z. Misch, a. a. O. nach richtiger Lesart, vgl. Simson im Comm.), allein die Schule Hillel's hielt in gewohnter Knapphaltung der Priestermacht an der alten Anordnung fest, und auch die Abstammung Hillel's aus Babylonien mag in seiner Schule die Beibehaltung des dortigen Maßverhältnisses begünstigt haben.