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Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben · 1867-01-01 · 2-3 (1867) · p. Seite 108

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Journal
Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
Volume
5 (1867)
Issue
2-3 (1867)
Date
1867-01-01
Page
Seite 108 (sequence 28)
Language
German
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108 H Biblische uub thalmudische Mscellen. sterschaft erwarten, gerade wie die Mischnah im Verfolge eine solche für einen andern Fall erwähnt, daß ein Priester nämlich, der im unreinen Zustande den Dienst verrichtet, nicht vor das Gericht zur Aburtheilung gebracht, sondern von den Priesterknaben aus dem Tempel geschleppt und ihm von ihnen der Schädel mit Holzstäben eingeschlagen werde. Die genauere Vergleichung der Bibelstellen dürfte uns jedoch das geschichtliche VerhälLniß enthüllen, welches hier angedeutet ist. An allen drei Stellen nämlich des Pentateuch, welche dieser Schalen gedenken: Exodus 25, 29. 37, 16 und Numeri 4, 7 — sie kommen sonst blos noch 1 Ehr. 28, 17 vor —, werden sie näher durch den Zusatz אמוד יהך בחך oder חנסך bezeichnet; es waren demnach Schalen, welche zu Libationen verwendet wurden^). Diese Libationen bestanden in Weinspenden und begleiteten die von den Priestern vorzunehmenden Opfer. Das Volk, unter der Anleitung der Pharisäer, verlangte aber seine größere Betheiligung an dieser gottesdienstlichen Verrichtung, namentlich am Herbstfeste, das als das fröhliche Volksfest mit möglichster allgemeiner Feier begangen wurde. Sie verlangten Libationen, die getrennt vom Opferdienste mit öffentlichem Gepränge vorgenommen werden sollten, und mußten dieselben, da im Tempel, zunächst durch die Priester vollzogen werden, so sollte es doch in Begleitung des ganzen Volkes geschehen. Man wagte Wohl nicht den biblisch vorgeschriebenen Weinlibationen nun selbstgemachte hinzuzufügen, man wählte daher Wasserlibationen, denen man jedoch die heilige Weihe zuschrieb , und auf deren Ausführung man mit der ganzen Gluth des Parteieifers drang, während die Sadducäer, die priesterlichen FuncLionäre, dieser Neuerung, die ihnen als eine Verspottung der vorschriftmäßigen priesterlich geheiligten Weinlibationen erscheinen mußte, in tiefem Unmuthe widerstrebten, nur widerwillig und nothgedrungen nachgaben, die Feier zu degradiren suchten, so daß einst ein fungirender Priester das Wasser, statt es in die für die Libationen bestimmten Altarlucken zu gießen, auf seine Füße laufen ließ, für welchen Hohn das Volk ihn auch alsbald mit den in ihren Händen befindlichen 2) So übersetzt am deutlichsten der Samaritaner das Wort durchgehends mit כוסות) כסיח) und die neueren Samaritaner gebrauchen gleichfalls noch das Originalwort in diesem Sinne: קהות רבות ודקות, große und kleine Schalen (Heidenheim Vierteljahrschr. I S. 114.)

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