Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 5 (1867)
- Issue
- 2-3 (1867)
- Date
- 1867-01-01
- Page
- Seite 102 (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
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102 XI• Biblische und tbalmndijche Miscellen. eine schiefe Stellung gebracht und giebt zu unklaren Discussionen Veranlassung, während unsere Auffassung einer richtigen geschichtlichen Würdigung der erst allmälig sich gestaltenden Feststellung des Urtheils über die andern Schriften außer Thorah und Propheten entspricht. Hält man nun daran fest, daß das ganze religiöse Schriftthum, wie es als Schößlinge aus der alten heiligen Wurzel nachsproßte, mit Scheu betrachtet wurde, wenn auch manche Theile desselben keine Anerkennung fanden, daß es selbst in fremder Sprache ebenso wie dem Gebrauche so auch dem Mißbrauche der verachtlichen Behandlung durch Vergraben entzogen wurde: so wird man es nicht auffallend finden, wenn auch die Stellung, welche man in der' ersten Zeit gegen die christlichen Schriften einnahm, eine unsichere war. An das bestehende Schriftthum sich auch anlehnend, ganz sich anschließend an die aramäischen und griechischen Apokrhphen in Ausdrucksweise und theilweise im Inhalt, Anführungen aus den alten anerkannten Schriften in sich aufnehmend, den Namen des heiligen Gottes überall wiederholend, flößten sie, wenn sie auch entschieden bekämpft wurden, eine gewisse Scheu ein, die man erst allmälig ablegte. Daher muß die Thoßeftha (Jadajim c. 2) noch sagen, daß ״die Giljonim — und das ist natürlich Abkürzung von ארבגלירן, das man später in ארך ג (St. constr. von ארך) oder ע1ך ל zerlegte — und die Ketzerbücher" die Hände nicht verunreinigen, also nicht den voll heiligen gleichstehn, muß sie hier (in Tr. Schabbath) ausdrücklich bemerken, daß man die ״Giljonim und die Ketzerbücher" am Sabbathe nicht vom Brande rette, sondern sie mit den darin befindlichen Gottesnamen dem Verbrennen überlasse. Joße — der Galiläer in Thoß. — fügt dem weitergehend hinzu, daß man sie auch an Wochentagen geradezu dem Feuer übergebe, d. h. vernichte, nur die Gottesnamen herausschneide H, — eine Ansicht, die in Sifre zu 4. Mos. 5, 23 dem Jsmael beigelegt wird —; noch weiter geht Tarfon (in Sifre: Miba), der auch Letzteres für überflüssig hält, sondern sie mit den darin enthaltenen Gottesnamen verbrannt wissen will. Das ist Alles ganz einfach, und nur die babyl. Gemara (116 a) begeht das klägliche Mißverständniß, unter ״Giljonim" die Ränder der Bücher zu verstehen, obgleich sie später selbst im Namen des Thannaiten Me'ir und des Palästinensers Jochanan von ארךג und 'ערך ג spricht. 1) Die richtige LA ist קרדד mit zwei Dalerh, vgl. meine Bemerkungen in he-Chaluz III S. 159 und diese Ztschr. Bd. II. S. 58,