Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 5 (1867)
- Issue
- 2-3 (1867)
- Date
- 1867-01-01
- Page
- Seite 100 (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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100 II. Biblische und thalmudische Miseellen. trotzdem aber, daß man sie zu meiden habe, trugen sie doch einen gewissen geheiligten StammescharakLer an sich, so daß man sie vor gleichgültiger Behandlung bewahren, sie noch weniger absichtlich zerstören sollte, man behandelte sie vielmehr gleich den Schriften* höherer Geltung, die unbrauchbar geworden, wegen Alters oder weil Fehler darin sich eingeschlichen. Diese nämlich vergrub man, damit sie auf der einen Seite dem Gebrauche entzogen, andernfalls nicht geringschätzig behandelt werden; sie absichtlich zu vernichten, wäre eine Verletzung der Ehrerbietung gewesen, die man ihnen auch in ihrem unbrauchbaren Zustande zollte, und man überließ sie, nach beiden Seiten geschützt, ihrem Schicksale. Die brauchbaren heiligen Bücher (Thorah und Propheten) waren schon durch ihr Ansehen geschützt vor jeder leichtfertigen Behandlung, und noch dazu umgab man sie mit der Vorsicht, daß man bestimmte, ״sie verunreinigen die Hände," so daß Jeder eine sorglose Hanthierung' mit ihnen sicher vermied. Aber die unbrauchbaren entbehrten eines solchen Schutzes und mußten daher vergraben werden. Ebenso nun machte man es auch mit den Schriften, in denen man nicht lesen sollte, die aber doch ihrem Ursprünge und ihrem Inhalte nach insoweit Achtung verdienten, daß sie nicht einer geringschätzigen Behandlung ausgesetzt sein sollten; denn daß man sie fern hielt, geschah nicht, weil man sie als schädlich verwarf, sondern man betrachtete sie blos als gewöhnliche Spruchsammlungen, Erzählungen, die auf eine höhere Autorität keinen Anspruch hatten und die man deshalb, um Wichtigeres nicht zu vernachlässigen, fern hielt, die aber, da sie Sittenlehren enthielten, auf jüdischem Standpunkte sich bewegten, Gottesfurcht einflößten und die Gottesnamen vielfach einschließen, doch eine ehrenvolle Behandlung verdienten. Man war daher weit entfernt, sie dem Feuerbrande zu übergeben, ja man rettete sie sogar daraus selbst am Sabbathe, aber man vergrub sie. Ist uns nun die Stellung, welche die Reihe von Schriften in der alten Zeit eingenommen, die wir jetzt Hagiographen und -Apokryphen nennen, klar geworden, so haben wir nur die Mischnah wörtlich zu übersetzen, um in ihr diese Ansichten vollkommen ausgedrückt zu finden: ״Alle heiligen Schriften (d. h. alle Hagiographen und Apokryphen, von Thorah und Propheten ist es selbstverständlich) rettet man (selbst am Sabbathe) vor dem Brande, sei es, daß man in ihnen liest oder daß man nicht in ihnen liest (mag das Buch anerkannt sein oder nicht). Mögen sie geschrieben sein