Mannheim
Compact Memory

Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben · 1867-01-01 · 2-3 (1867) · p. Seite 99

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
Volume
5 (1867)
Issue
2-3 (1867)
Date
1867-01-01
Page
Seite 99 (sequence 19)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2420973-2420997-2420999--1387-2422471
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

1. Heilige Schriften. 99 dem Pentateuche, und den Propheten, also den erzählenden Schriften Josua, Richter, Samuel, Könige, und den eigentlichen Propheten, den drei großen und den zwölf kleinen, deren Heiligkeit feststand — wenn man auch einige Stellen im Ezechiel anstößig fand —, erkannte man noch andere als Schriften an, die zum jüdischen Schriftalso zum Heiligthum gehörten, ohne daß man über deren volles Ansehen ein entscheidendes Urtheil gesprochen hätte. Die Thorah galt als das Buch, welches von jedem Einzelnen eifrig gelesen, dessen Inhalt erörtert, das daher auch beim Gottesdienste in regelmäßig auf einander folgenden Abschnitten öffentlich verlesen werden sollte; so auch aus sämmtlichen Büchern, welche unter dem Gesammtnamen ״Propheten" zusammengefaßt waren, wählte man einzelne Abschnitte zur öffentlichen Verlesung als Hastaren, als Schlußabschnitte. Der unentschiedene Werth sonst noch vorhandener Schriften hielt von einem solchen Gebrauche derselben zurück. Volle unbestrittene Geltung hatten unter deren Zahl eigentlich nur die Psalmen, und nur aus ihnen hatten daher die alten Gebete Stellen. ausgenommen mit der Anführung: בדברי כתוב לאבלר ״in Deinen heiligen Worten steht geschrieben," aus keinem der andern Bücher. Dennoch genossen die meisten von ihnen hohes Ausehen, wurden privatim gelesen, nur über einige, wie über die salomonischen, die Sprüche, Koheleth, Hoheslied, verstummten die Bedenken nicht so bald. Aber auch umgekehrt gehörten zur Kategorie dieser Schriften von unbestimmter Geltung auch diejenigen, welche später ganz beseitigt, als ספרים דזחרצונים, außerhalb stehende Schriften, bezeichnet wurden *); so wurden noch lange Zeit nicht blos unter den griechisch redenden Juden fast sämmtliche abgewiesene Schriften, die wir Apokryphen nennen, anerkannt, sondern auch die palästinischen und babylonischen Juden hielten sich von ihnen nicht fern und ehrten namentlich ״Ben-Sira," Sirach, als Autorität. Bei dem allgemeinen Namen nun, welcher alle diese Bücher als ״heilige Schriften" d. h. überhaupt jüdische Schriften umfaßte, unterschied man die den einen vor den andern gebührende höhere Anerkennung dadurch, daß man in jenen lesen dürfe und solle, in diesen nicht; 1) Zu diesem Ausdrucke mag als Parallele verglichen werden der syrische in Reliquiae juris ecclesiastici antiquissimae S. 60 Z. 4 wo von der ״Weisheit Sirach" gesagt wird: ]0012 *לגב»

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.