Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 5 (1867)
- Issue
- 1 (1867)
- Date
- 1867-01-01
- Page
- Seite 71 (sequence 72)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 90% known words query
- IRI
…/2420973-2420997-2420998--1358-2422441- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Der Hirtenjunge. 71 Leviten — Hirtenjungen, und man verstand darunter Wohl zunächst die kleinen Schreier; die babylonische Gemara freilich hat sich aus diesen Verhältnissen, in denen der Pharisäismus eine Opposition gegen die Anmaßungen!der Priester- und Leviten - Aristokratie unterhielt, völlig herausgelebt, sie blickt vielmehr mit Ehrerbietung auf den heiligen Stamm in allen seinen Gliedern und nimmt Anstoß an dieser verletzenden Bezeichnung der Jugend. Sie berichtet daher (13 b), nach einer Baraitha habe man sie סועדי דלוים, die Unterstützer der Leviten, genannt, der Meschnait jedoch nenne sie צערי, weil ihre Stimme dünn (schwach und hell) ge- Wesen gegenüber der Stimme der Erwachsenen, die dick (stark und tief), weil sie (die Töne zertheilten) absetzten, die Erwachsenen nicht (*ותנא דידן כיון ד דכי קטין קליידו וחכי עב קליידו הוני נלקטטי ודכי לא בלקטטי קרי לדו צעלי. Offenbar will die Gemara dem Worte seinen Geringschätzung ausdrückenden Sinn entziehen; nicht wegen ihrer Rohheit oder wegen ihres lärmenden Schreiens, will sie sagen, nennt sie die Mischnah Hirtenjungen, sondern weil sie die an Knaben bekannte schwächere Stimme haben und den Ton nicht so lange wie die Erwachsenen anhalten. Die Erklärer, Raschi und Maimonides, in ihrer übereinstimmenden Erklärung erkennen Wohl, daß צוערי: oder צערי einen Tadel ausdrückte, den die Gemara zu beseitigen unternahm; da sie das bibl. צוער, das Aquila zwar noch sehr gut seiner eigentlichen Bedeutung nach wiedergiebt, nicht mehr seinem prägnanten Sinne nach kannten, so erklärte man 2ערי: die Schmerzbereiter, und faßte die Entschuldigung der Gemara dahin auf, daß die Knaben durch ihre Helle liebliche Stimme die ältern Sänger in Schatten stellten. Wie Nathan, der צעירי liest, die Stelle erklärt, führt er nicht weiter aus; wir werden über diese Lesart bald Näheres angeben. Auch über die Richtigkeit der Lesart סועדי in der Baraitha bin ich zweifelhaft, und möchte ich סוערי mit Resch vorziehen, das man aber wiederum verkannt und daher geändert hat. Es ist nämlich wahrscheinlich, daß man bei der euphemistischen Umwandlung des Namens Wohl den gleichlautenden Buchstaben Samech für Zade *) Die Bedeutung von בלקטטי ist unsicher; Raschi erklärt es: die Stimme klein, dünn, angenehm machen! Weder andere Thalrnndstellen noch die Dialekte bieten etwas Brauchbares zur Erklärung des Wortes; es bleibt nur das feststehende קטטד, Zwiespalt (Mi sch nah Iebamoth 15, 1. Baraitha Schabbath 130 3.) zur Vergleichung über, und danach habe ich es erklärt.