Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 5 (1867)
- Issue
- 1 (1867)
- Date
- 1867-01-01
- Page
- Seite 46 (sequence 47)
- Language
- German
- Belongs to
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46 V. Schauer, eine glänzende volkreiche und mit prachtvollen Gebäuden versehene Stadt. Begierig zu wissen, wann diese Stadt entstanden sei, wenbete ich mich an die Einwohner, die mir aber sagten: der Anfang dieser Stadt verliert sich in die Nacht der Zeiten; wir wissen nicht, wie lange sie schon besteht, und unsere Väter wußten dieß ebensowenig als wir. Von Juden und Arabern kam die ewig wandernde mythische Persönlichkeit zu den Christen. Haß, Aberglaube, Unwissenheit und die Sucht möglichst viel Zeugnisse für die Unfehlbarkeit der christlichen Kirche aufzubringen, entstellten diese Persönlichkeit bis zur Karrikatur und entkleideten sie alles philosophischen und poetischen Gehaltes. Es geschah das zur Zeit, als man es sehr liebte durch Belzebub*) Zeugniß für die Wahrheit der von der Kirche aufgestellten Lehre ablegen zu lassen. Der englische Chronist Matthäus Parisius (gest. 1259) ist der älteste christliche Schriftsteller, der diese Sage mittheilt. Er will von einem armenischen Bischof, dem der ewige Jude selbst seine Geschichte erzählt, gehört haben, daß dieser Kartaphilus hieß und Pförtner des Palastes bei Pilatus gewesen, als er Jesus von der Pforte vertrieb, 30 Jahre alt gewesen, sobald er hundert Jahre zurück gelegt, von einer unheilbaren Schwäche überfallen wurde und in eine Ohnmacht versunken, dann aber wieder gesund geworden und wieder in den Zustand gekommen, den er zur Zeit gehabt, als er sich an Jesus vergriffen. Er wurde in der Folge von Ananias getauft, erhielt den Namen Josef und führte seit jener Zeit als Christ ein frommes Büßerleben in der Hoffnung, dereinst begnadigt zu werden. Im 16. Jahrhundert (1547) tritt er in Deutschland in anderer Gestalt und unter anderem Namen aus: er ist der Verdämmte ohne Hoffnung, der gezwungen ist, öffentlich von der Herrlichkeit und Göttlichkeit Jesu Zeugniß abzulegen und heißt jetzt Ahasver. *) So wurde in Frankreich 1565 eine Komödie in Scene gesetzt, die bestimmt war, die Hugenotten, die man durch Vernunftgründe von der Echtheit der Lehre des Paschasius über die körperliche Gegenwart Christi im Abendmahle nicht überzeugen konnte, durch den Mund Belzebubs als Ketzer bezeichnen zu lassen. (lievue moderne, fev. 1867.)