Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 5 (1867)
- Issue
- 1 (1867)
- Date
- 1867-01-01
- Page
- Seite 44 (sequence 45)
- Language
- German
- Belongs to
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44 Y. Schauer, gew. Ztr. im Schoße des Judenthums entstanden, also lange vor ihrem BekanntMrden bei den Christen. Die syrischen Christen lernten sie von den Juden kennen und bearbeiteten sie in einer den christlichen Anschauungen und Tendenzen jener Zeit entsprechenden Weise. Gegen Ende des 6. Jahrhunderts wurde sie von Gregor de Tours aus dem Syrischen ins Lateinische übersetzt und so auch in Europa eingeführt. Etwa ein halbes Jahrhundert später nahm sie Mohammed in den Koran auf.*) 2. Die Sage vom ״ewigen Juden." Auch dieser Sage begegnen wir bei Juden, Arabern und Christen, Wohl in sehr verschiedener Form, doch aber so, daß sich ihr gemeinschaftlicher Ursprung nicht leicht verkennen läßt. Der jüdische ewige Jude tritt activ und zwar wohlthätig auf. Er ist der Friedensbote, bringt den Wißbegierigen Belehrung, den Bedrängten Hilfe, den Unentschlossenen Muth und hat die Bestimmung, dereinst der Wohlthäter des ganzen Israel zu werden; es ist das der Prophet Elias. Er ist nicht gestorben und verkehrt häufig mit den Menschen; er kann jede ihm beliebige Gestalt annehmen und mit den verschiedensten Menschen wie einer ihres Gleichen Verkehren. Schon sehr früh bemächtigt sich die Sage dieses Propheten und läßt ihn handelnd in die Verhältnisse frommer Menschen eingreifen. Das Volk fand außerordentliches Wohlgefallen an den Eliassagen und erleichterte dadurch Dichtern und Betrügern deren Vervielfältigung. Im Mittelalter hat sich der Glaube, daß der Prophet Elias Reisen unternehme, um unglücklichen Menschen, die dessen würdig sind, Hilfe zu bringen, derart bei den Juden festgesetzt, daß man nicht selten abreisenden Freunden und Verwandten wünschte: der Prophet Elias möge ihnen begegnen. Die Araber, denen die jüdischen Sagen nicht fremd waren, fanden auch an der Elias - Sage Gefallen und nahmen sie so zu *) Gibbon, dem die talmudische Relation dieser Sage unbekannt war, glaubt, Moham. hätte diese nur von Christen gehört; daß das aber ein Irrthum ist, d. i. daß Moham. sie vielmehr von Juden und Christen zugleich gehört, geht aus der ganzen Fassung hervor, die er ihr giebt.