Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 5 (1867)
- Issue
- 1 (1867)
- Date
- 1867-01-01
- Page
- Seite 43 (sequence 44)
- Language
- German
- Belongs to
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Die Sage vom Langen Schlaf. 43 des Resultat: Die talmudische hat die schönste Form ^was jeder, der sie in der Ursprache zu lesen vermag, zugebsk wird), und den reichsten Inhalt; die christliche steht ihr in dem Einen wie dem Andern nach, und die mohammedanische nimmt in jeder Beziehung den letzten Platz ein. Ein ähnliches Resultat erlangen wir bei Vergleichung der bezüglichen Tendenzen und des resp. innern Ge- Haltes der drei Relationen: Der Talmud giebt uns die Erzählung vom langen Schlafe als eine bloße Parabel und hat dabei nur die Tendenz, die aus derselben hervorgehende Moral uns recht anschaulich zu machen, was ihm in der That vollkommen gelungen ist. Er lehrt uns in dieser Parabel ׳an dem Johannisbrodbaume, wie nöthig es ist, daß die Menschen Arbeiten beginnen, deren Früchte sie nicht mehr, doch aber ihre Nachkommen genießen können. Er zeigt uns ferner, daß ein Mann, wenn er in seiner Jugend durch Gelehrsamkeit und Thatkraft Berühmtheit erlangt hatte, sich aber den Fortschritten oder Umgestaltungen in den socialen und geistigen Verhältnissen der Gesellschaft nicht anschließt, im Kreise seiner alten, von der Zeit überflügelten Anschauungen geblieben unbeachtet dastehn würde, wenn er sich auf seine frühere Autorität beruft. Diese Moral will der Talmud berücksichtigt und beherzigt wissen, verlangt aber für seine Erzählung kein höheres Ansehen, als einer gelungenen Parabel gezollt wird. Anders die Kirchenschriftsteller und Mohammed; beide wollen diese Erzählung in der resv. Relation als wirkliche Thatsache betrachtet und geglaubt wissen. Erstere wollen in dieser Thatsache den Triumph des Christenthums über das Heidenthum in seiner ganzen Stärke bestätigt sehen und ein neues Wunder, das Gott in Begünstigung der alleinseligmachenden Kirche an den Gläubigen zur Ausführung gebracht, constatiren; sie legen demnach den Hauptton auf das Wunder, das hier vorgeblich der Glaubenstreue geschehen, ohne sich weiter an philosophisch-ethische Betrachungen zu kehren. Der Koran legt auch den Hauptton auf das Wunder, aber nicht seiner selbst wegen; ihm besteht der Hauptwerth des Wunders im vorliegenden Falle darin, daß es die Möglichkeit der Auferstehung beweist, und eben deswegen verlangt er für die dasselbe mitrheilende Erzählung unbedingten Glauben. Was das Alter und den Ursprung dieser Sage betrifft, so kann man mit Bestimmtheit sagen, sie sei vor dem 5. Jahrhundert