Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 5 (1867)
- Issue
- 1 (1867)
- Date
- 1867-01-01
- Page
- Seite 38 (sequence 39)
- Language
- German
- Belongs to
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38 Afrika im Thargum und Thalmud. rer Gelehrten soll dieser Zug sogar historisch sein, was hier übrigens ziemlich gleichgültig ist. Auch die Sage von einer Gegend, deren Einwohner lauter Frauen waren, d. h. von Amazonen, paßt nur auf die kaukasischen Gegenden; denn die Geschichtsschreiber Alexanders berichten einstimmig, daß Thalestris (oder Thalestria), die Königin der Amazonen, welche am Ufer des Pontus Euxinus geherrscht, Alex, auf seinem Rückzug von Hyreanien besuchte*). Bei spätern Schriftstellern, die dies natürlich nicht wußten, herrscht große Verwirrung mit dem Namen ״Afrika". So z. B. Wajikra Rabba (cap. 27): Alex, ging zuerst in ein Land hinter den Bergen der Finsterniß, dessen Namen קלטיגכי also Karthagena; dann kam er in ein Land ״Afrika." Was die Alexandersage betrifft, so sei nur noch zum Schluß zu bemerken erlaubt, daß dem Prof. Delitzsch, der in. der deutschen Orientalistenversammlung des Jahres 1854 behauptete, daß in Folge der Abneigung gegen den Hellenismus diese Sage bei den Juden keine Entwickelung hatte**), entgangen ist, daß Joseph ben Gorion eine ausführliche Legende über Alexander mittheilt; daß die obenerwähnten Benjamin von Tudela und Joseph Kimchi eine Sage über denselben, der erstere kurz, der letztere ausführlicher***) mittheilen; daß ferner Menachem di Lonsano im Maarich Legendarisches über die Geburt und den Namen unseres Helden hat; daß viele Legenden in der jüdischen Literatur noch handschriftlich sich befinden; so *) Plutarch vit. Alex. 46, Curt. VI. 5, Strab. p 505, Diod. XVII, 77, Justin XII, 3. **) Zeitschrift der deutschen morgenländischen Gesellschaft. T. IX, p. 290. ***) Im Zeror Ha-Mor Abschnitt Beschallach heißt es: Im Commentar des Joseph Kimchi zu den letzten Propheten habe ich gesehen, daß er in einem Buche gesunden, Alexander der Macedonier habe Gog und Magog in große und hohe Berge eingeschlossen, die nur an einer Stelle einen Ausgang haben. An dieser Stelle errichtete er einen mächtigen Bau mit eisernen Mauern, so daß sie nicht herauskönnen. In dieser Mauer ließ er mit großer Kunst eiserne Männer anfertigen, die beständig an die Mauern mit Hämmern und Aexten schlagen, so daß die innerhalb Befindlichen glauben, an der Mauer werde immer weiter gebaut, sie noch mehr befestigt, so daß sie sie niemals zu überschreiten im Stande seien. — Das Buch, worin Joseph Kimchi diese Erzählung gelesen, könnte wohl Salam at-Tardschamanis Bericht sein über die Mauer, die Dzul-Karuain gegen die Jadschudsch und Madschudsch errichtet hat, woraus alle arabischen Geographen schöpften.