Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 5 (1867)
- Issue
- 1 (1867)
- Date
- 1867-01-01
- Page
- Seite 32 (sequence 33)
- Language
- German
- Belongs to
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32 III. Sänger, Was nun den Spruchlehrer selber anbelangt, so sieht Ewald in ihm einen ״ausgezeichneten christlichen Denker" und findet die Sprüche, ״das älteste christl. Spruchbuch, welches sich erhalten hat", wie dem Inhalt nach ungemein werthvoll, so auch in der Form sehr preiswürdig. ״Alle die höchsten christl. Wahrheiten stehen nach der Fassung dieser Schrift ebenso wie die aus ihnen sich ergebenden Pflichten schon längst als richtig fest: aber es gilt nun, sie überall in den tausend Verwicklungen des Lebens und auch unter den schwersten Versuchungen und Leiden aller Art, in welche das junge Christenthum alsbald versank, mit stets gleicher Einsicht, Tapferkeit und Entschiedenheit zu bewähren." ״Es will in diesem Werke sich die gesammte christliche Anschauung der Dinge in aller Ruhe und aller Weite noch ganz mit ihrer ursprünglichen Innigkeit und reiner Begeisterung schon als feste Lehre und als Gebot für die Lausendfachen Verhältnisse alles Lebens und Strebens darlegen: das christliche Gewissen tritt hier zum ersten mal vor alle Welt, um alle Welt im Ganzen sowohl als im Einzelnen ihre rechte Pflicht zu lehren und die christliche Lebensweisheit auf kurze scharfe Sätze zurückzuführen." ״Wir finden dre Lehren dieses ältesten christl. Spruchlehrers von einer Gluth reiner Begeisterung durchhaucht, aber zugleich von einer ruhig besonnenen Klarheit durchleuchtet, daß man nichts Herrlicheres sich denken kann, und dem Geschicke danken muß, das uns solche Worte wenigstens in syrischer Uebersetzung erhalten werden ließ." ״Freilich kann nicht behauptet werden, unser Tistus habe solche Gedanken ihrem Grunde nach selbst gefunden und wie ein Prophet sie zuerst verkündigt. Denn achtet man näher auf gläubige Mensch ist todt bei lebendigem Leibe. Die syrische Uebersetzung hat nun noch den Gegensatz dazu: Derjenige Gläubige, der sich in seinem Glauben erprobt hat, der ist ein Gort, weicher in dem Körper eines lebendigen Menschen wohnt. Ott meint nun über diese Erweiterung, daß der Syrer mit diesem Spruche in seiner gehaltvollen Kürze sich nicht begnügt, sondern dermöge seines ebenso unberufenen als vielbethätigten Eifers, den Sextiustext durch antithetische Ergänzungen zu verschlimmbessern, neben den geistigen Tod des Ungläubigen das geistige Leben des Gläubigen in möglichst scharfem Gegensatz hingestellt habe. (et. Progr. v. I. 1862 S. 39). Allein dieser Gegensatz scheint im Original schon vorhanden gewesen zu sein, da auch in Talm. Bab. Berachot f. 18a u. b die Gegensätze mit den Worten: אלו צדיקים שבמיתוזן נקראו חיים und אלו רשעים שבחיחרן קרויין בלתים Vorkommen.