Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 5 (1867)
- Issue
- 1 (1867)
- Date
- 1867-01-01
- Page
- Seite 30 (sequence 31)
- Language
- German
- Belongs to
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30 III. Sänger, über das geschichtliche Auftauchen derselben und die Meinungen, die darüber bis auf die jüngste Gegenwart im Schwünge sind, kurz zu referiren. Es geschieht dieses an der Hand von Programmen, welche Prof. M. Ott aus Rottweil in den I. 1861—63 in verdienstlicher Weise veröffentlicht hat. Die Sprüche des Sextius sind ursprünglich in griechischer Sprache abgefaßt worden; sie haben sich aber mit Ausnahme von einzelnen Fragmenten des Originals nur in einer lateinischen Uebersetzung des Rufin von Aquileja erhalten. Nach einigen Stellen bei Origenes waren diese Sprüche schon vor der Rufinischen Uebersetzung unter den Christen griechischer Zunge ziemlich bekannt. Zu ihrer ausgedehnteren Verbreitung trug aber erst Rufinus bei, der seine Uebersetzung - auf den Wunsch einer zum Christenthum bekehrten Schwester anfertigte, die ihn um eine passende Lectüre anging. In der Vorrede zu seiner Uebersetzung rühmt R. diese Sprüche als gedankenreich, kräftig, bündig und geeignet, ihr zu einem geistigen Anulus zu dienen. Ueberdieß spricht er noch die Ansicht aus, daß dieß derselbe Sextius sei, welcher in der Stadt Rom als Bischof und Märtyrer verehrt werde. Die vermeintliche Auctorität des Papstes erhöhte insbesondere das Ansehen dieser unter dem Titel Am1h18 oder Enchiridion in Umlauf gekommenen Sprüche, welche wegen ihrer Aufrechthaltung der unbedingten menschlichen Freiheit in den pelagianischen Kreisen ganz besonderen Beifall fanden. Obwohl die Sixtinische Urheberschaft bei der christlichen Kirche schon von Hieronymus an auf Widerstreit stieß, so wurde das Enchiridion dennoch während des Mittelalters viel gelesen und seit der Erfindüng der Buchdruckerkunst wiederholt gedruckt. Das sechzehnte Jahrhundert allein weist drei Ausgaben auf; das siebenzehnte eine von Gale (Amstel. 1688), das achtzehnte die von Siber (Lipsiae 1725). Im I. 1842 erschien die letzte Ausgabe der lat. Uebersetzung zu Paris von dem französischen Gelehrten Lastehrie: 8611- 1611668 d6 Sextius und im I. 1858 zu Leipzig eine syrische Uebersetzung in P. Lagardii Analecta Syriaca. B. G־. Teubner. Was nun die schwierige Frage nach der eigentlichen Auctorschaft unserer Spruchsammlung betrifft, so wurde dieselbe bisher entweder auf einen heidnischen Philosophen Sextius (es gab deren nach Stellen bei 861166a und Suetouius mehrere mit diesem Namen) oder auf die Päpste Sixtus I. oder II. zurückgeführt. Der erste Herausgeber (Fani 1402) wie später Gale halten das Enchiridion