Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 5 (1867)
- Issue
- 1 (1867)
- Date
- 1867-01-01
- Page
- Seite 28 (sequence 29)
- Language
- German
- Belongs to
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28 II. Ludwig Geiger, galt als der Juden Schützerin. Die Juden scheinen damals in dieser Gegend sehr zahlreich sich aufgehalten zu haben, denn Luther meint in einem späteren Briefe ״die halbe und die ganze Welt müsse itzt ledig sein von allen Teufeln", sie hätten sich alle hier zusammengefunden ״umb seinetwillen". Seine frühere Angabe derbessert er dahin, daß in einem Hause von Eisleben 50 Juden zusammenwohnten, (?) und in der Nähe in Rißdorf nicht weniger als 400 sich aufhielten. Das solle ihn aber׳ Alles nicht stören. Wenn auch bisjetzt noch niemand ihnen etwas thun wollte, so habe er seine Meinung so gröblich hören lassen, daß es Wohl helfen solle. Möglich, daß zu diesen erbitterten Aeußerungen Luther außer durch seinen kirchlichen Eifer, noch durch persönliche trübe Erfahrungen getrieben'wurde. Ein polnischer Jude, schreibt er im I. 1524 (II, 616) ist hier durch 2000 Goldgulden gedungen, mich durch Gift umzubringen. Einstweilen wagte er es noch nicht. Später wurden sie (hier redet L. plötzlich von mehreren), die hier doch Nachstellungen versuchten, verhaftet, bald aber, da sie nicht angeben wollten, von wem sie geschickt seien und Luther verbot, sie zu foltern, entlassen. (II, 625.) Kleinere Andeutungen*)׳ außer Acht lassend, will ich noch einen Brief erwähnen, der vielleicht eine willkommene Ergänzung zu Grätz IX, 55 bietet. Es ist ein an Jossel Ros heim gerichtetes Schreiben vom 5. Nov. 1537. ״Dem Fürsichtigen Josel, Juden zu Rosheim, meinem guten Freunde." I. hatte sich an £, — mit welcher Bitte ist nicht recht klar — zur Verwendung bei dem Kurfürsten gewandt. Daraus folgt diese Antwort, von der wir, da sie wohl ganz unbekannt sein dürfte, das wichtigste mittheilen. (de W. Bd. V, S. 78 — 80.) ״Ich wollt Wohl gern gegen meinen gnädigsten Herrn für Euch handeln, beyde mit Worten und Schriften, wie denn auch meine Schrift**) der ganzen Jüdischheit gar viel gedienet hat; aber dieweil die euren solchs meines Dienstes so schändlich mißbrauchen und solche Dinge fürnehmen, die uns *) Zerstreute Bemerkungen über hebräische Sprache, Bibelerklärung u. a. würden zu weit führen. **) Soll damit etwa die in dem Briefe an den getauften Juden Bernhard erwähnte gemeint seyn? (o. S. 25׳.)