Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 5 (1867)
- Issue
- 1 (1867)
- Date
- 1867-01-01
- Page
- Seite 25 (sequence 26)
- Language
- German
- Belongs to
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Luther und die Juden. 25 Juden bei beiden Religionsparteien verrufen sei, indem die Juden behaupten, nu,r ein begangenes Verbrechen könne zum Abfall von der väterlichen Religion verleiten, und die Chr. verneinen, daß ein Bekehrter wirklich die neue Religion mit voller Gläubigkeit umfassen könne, erzählt er eine Geschichte zur Bekräftigung dieser Behauptung, und zeigt, daß der Grund der seltenen Aufrichtigkeit von Judenbekehrungen in der falschen Art zu suchen sei, wie die katholischen Geistlichen dieselbe bewerkstelligen. Jetzt aber, meint L., seit das Licht des neuen Evangeliums leuchte, werde der Ueberrest des Samens Abrahams in Wahrheit zu Christus bekehrt werden. Zu Bernhards u. a. Stärkung und Befestigung im wahren Glauben überschickt L. ihm sein Buch: daß Jesus Christus ein geborener Jude sep. Auch später noch kommt Luther öfter auf dieses Thema der Judenbekehrung zurück. Auf eine Anfrage des Heinrich Genesius, Pfarrers zu Ichtershausen 1530 (de W. IV, S. 81) schreibt er die Gebräuche bei der vorzunehmenden Taufe einer Jüdin vor, legt ibm aber ausdrücklich ans Herz darauf zu achten, daß es nicht etwa ein heuchlerisches Begehren, sondern ein wahres Durchdrungensein vom Glauben sein solle, mit der man die Taufe zu empfangen habe. Dem Pfarrer Ambrosius Moibanus in Breslau erwidert er auf eine vorhergegangene Anfrage, daß getaufte Juden ihren Frauen, die wahrscheinlich nicht auch das Christenthum anzunehmen gesonnen waren, den Scheidebrief nicht etwa in der von den Juden vorgeschriebenen Form ausfertigen sollten, ״damit sie nicht etwa Rechte gegen uns zu haben glauben", sondern in der von der christlichen Obrigkeit gebilligten, und fügt zum Schluß die Warnung hinzu: Tantum vide ל ne fieti fiant Christiani (V, 180.) Es ist natürlich, daß bei dem ungeheuren Einflüsse, den Luther auf seine Zeitgenossen übte, von allen Seiten Anfragen über wichtige und unwichtige Dinge bei ihm einliefen und sein bloßes Wort, seine Meinung, sein Bedenken eine Streitsache schlichtete. Rührend ist es anzusehen, wie von den fernsten Gegenden Deutschlands von jeder Gemeinde, die die neue Lehre empfängt, Gesuche einlaufen um Pfarrer, und L. einem jeden aufs gewissenhafteste nachkommt und nur schließlich sich beklagt, daß man jetzt in Wittenberg junge Pfarrer vergeblich suchen würde. Auch über Duldung und Stellung der Juden liefen häufig Anfragen bei ihm ein, und traurig genug ist, berichten zu müssen, daß seine Stimme, die berufen gewesen wäre, Fürsten und Herren günstig zu stimmen, sich meist auf die