Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 5 (1867)
- Issue
- 1 (1867)
- Date
- 1867-01-01
- Page
- Seite 24 (sequence 25)
- Language
- German
- Belongs to
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24 II. Ludwig Geiger, Juden, die bei Grätz ungern vermißt werden. Ich versuche sie daher hier nachzutragen und zusammenzustellen*). Es liegt in der Natur der Sache, daß Luthern das Judenthum nur als eine unvollkommene Vorstufe der ״Religion" erscheint, oder als Unglaube gegeißelt und die Harthörigkeit und Verstocktheit der Juden beklagt wird. ״Kunnt doch Christus selbs mit allen Aposteln seine Juden nicht überreden"**), ruft er klagend aus, tröstet sich aber mit dem Gedanken, daß die Strafe für diese Verstocktheit nicht ausbleiben, das Reich, das ihm genommen ist, dem Volke gegeben wird, das seine Früchte genießt (I, 487) und ״die Benedeyung wird fern gnug von ihn kommen." II, 163. Schon im I. 1510 hatte er, von S Palatin aufgefordert, ein Urtheil über den Neuchlinischen Streit abzugeben, sich gegen die Kölner ausgesprochen, aber in einer, wie mir scheint, sehr sophistischen und für die Juden wenig schmeichelhaften Weise: Hoc tandem percludo cum per omnes prophetas praedictum sit? Judaeos Deum et regem suum Christum madedicturos et blasphematuros et qui hoc non legit vel intelligit, fateor nondum eum vidisse theologiam. Ideoque praesumo Colonienses non posse Scripturam solvere quia sic oportet fieri et Scripturam impleri. Et 81 tentaverint Judaeos a blasphemiis purgare hoc facient, ut Scriptura et Deus mendax appareat.“ (I, S. 8). Jndeß war er ein aufrichtiger Anhänger Reuchlins***) und stellte sich damit keineswegs auf die Seite derer, die das gottverruchte Volk gern vertilgt und ausgerottet sehen wollten. Aber mehr dürfen wir von seiner Gesinnung aus jener Zeit, da uns andere Aeußerungen über die Juden fehlen, wohl schwerlich behaupten. In den späteren Jahren finden wir, nach einer Erklärung über seine Bibelauffassung, daß er sich vor allem um die Bedeutung der Buchstaben und Worte kümmere, weniger um Grammatik und Prosodie— haud sperantes, futuros nos oratores apud Judaeos, fügt er hinzu (I, S. 168) — ein sehr interessantes Schreiben an einen getauften Juden Bernhard aus d. I. 1523. Nach einer Einleitung, in der er ausführt, wie die Bekehrung eines *) Ich citire dieselben nach de Wette: Luthers Briese, Sendschreiben und Bedenken. Berlin, Reimer, 6 Bände. **) de Wette II, 220. ***) Er verfeblt nicht, nach einer bei ihm sehr oft angewendeten Weise den Brief zu schließen, bei vielen Briefen ans dieser Zeit sich des Ausdruckes u bedienen: Vale et ora pro me et oremus pro Capnione.