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Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben · 1867-01-01 · 1 (1867) · p. Seite 14

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Journal
Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
Volume
5 (1867)
Issue
1 (1867)
Date
1867-01-01
Page
Seite 14 (sequence 15)
Language
German
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14 I. Salomon Munk. erledigte Lehrstuhl war nämlich zuerst dem durch seine vie de Jesus in Aller Munde befindlichen Renan übertragen. Der Cäsarismus will alle andern Mächte neben sich abschwächen, sie sollen alle nur so weit sich geltend machen, als sie seinen Zwecken dienen, ihm huldigen, seinen Glanz erhöhen. Wenn er einerseits die katholische Hierarchie soweit unterstützte, als sie sich ihm gefügig zeigte, so sollte doch auch die freie Wissenschaft theils als Gegengewicht theils als Kundgebung für die civilisatorische Mission den Thron umgeben und verherrlichen. Die gründliche deutsche theologische Kritik, welche in Baur und der nach ihm benannten tübinger Schule für das Christenthum würdige Repräsentanten gefunden, hatte einen Eroberungszug nach Frankreich gemacht, und was sie dort etwa an Gediegenheit einbüßte, erhielt sie zum doppelten Ersätze durch die Klarheit und den Glanz der Darstellung und daher auch durch den allgemeineren Zutritt in alle gebildeten Elasten zurück. Renan, einer der bedeutendsten und glänzendst ausgestatteten Vertreter dieser Richtung, überhaupt von einer großen Vielseitigkeit, hatte sich bereits auch als tiefeindringender Kenner des Semitismus bewährt und gerade hier eine Lücke ergänzt, welche die deutsche tübinger Schule sehr beeinträchtigt. Der Cäsarismus fand es seinen Zwecken sehr Wohl angemessen, diese Kraft sich zu verbinden, sich somit an die Spitze der Aufklärung zu stellen, durch das ״Geschenk" der religiösen Freiheit die schmerzliche Einbuße der politischen in Vergessenheit zu bringen. Gehörte ja auch Renan zu den Männern, welche nicht in consequenter Opposition sich von dem Kaiserreiche systematisch fern hielten, er nahm Missionen von ihm an, er war, wenn wir aus unfern gegenwärtigen deutschen Verhältnissen einen Ausdruck auf die französischen übertragen dürfen, national liberal, er glaubte sich der energischen Herrschaft, welche Frankreichs Bedeutung nach Außen erhöhte, anschließen zu dürfen und zu müssen, um mit ihrer Hülfe die Freiheit im Innern zu erringen. So wurde Renan Professor des Hebräischen und Aramäischen an der höchsten Lehranstalt Frankreichs. Allein bereits seine Antrittsrede offenbarte alsbald den Zwiespalt zwischen zwei einander diametral entgegenstehenden Principien, welche nur solange zusammengehn können, als die eine geblendet und sich in Phantasten wiegend ihre unbedingten Huldigungen der andern darbringt. Renan hatte mit seinem religiösen Freisinne Ernst gemacht, er nahm ihn als ein Recht des freien Geistes in Anspruch, dankte

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